Schweden:Männer sollen Vergewaltigung live auf Facebook gesendet haben

  • In Schweden sollen drei junge Männer eine Gruppenvergewaltigung begangen und live per Kamera in eine geschlossene Internet-Gruppe übertragen haben.
  • Nach der Festnahme der Verdächtigen im Alter von 18, 20 und 24 Jahren rief die Polizei die Nutzer der Facebook-Gruppe auf, Beweismaterial zur Verfügung zu stellen.

Von Kerstin Lottritz

Geschlossene Facebook-Gruppen entwickeln sich offenbar immer öfter zum rechtsfreien Raum. In Schweden sorgt jetzt der Fall einer mutmaßlichen Vergewaltigung für Entsetzen, die in solch einer Gruppe live gesendet wurde. Die Polizei ermittelt gegen drei Männer im Alter zwischen 18 und 24 Jahren. Sie sollen am Sonntag eine 30-jährige Frau in einer Wohnung in Uppsala vergewaltigt und die Tat bei Facebook gestreamt haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, wurden die Männer in der Wohnung der Frau festgenommen.

Demnach wurde die Vergewaltigung in einer geschlossenen Facebook-Gruppe mit 60 000 Mitgliedern gesendet. Die Ermittler schätzen, dass 200 Nutzer den Live-Stream gesehen haben. Nur die Gruppen-Mitglieder konnten das Video anschauen und kommentieren. Einige von ihnen alarmierten die Polizei. Laut einem Bericht der schwedischen Boulevardzeitung Expressen hat eine 21-jährige Zeugin einen Mann im Video wiederkannt. Sie habe ihn bereits 2015 wegen einer anderen Vergewaltigung angezeigt. Das Verfahren sei damals jedoch eingestellt worden.

Polizei sucht nach dem kompletten Video

Die Ermittlungen der Polizei werden erschwert durch die Tatsache, dass es sich um ein Live-Video handelt, dass mittlerweile gelöscht worden ist. Die Polizei teilte mit, dass sie "einige Bilder" und "Video-Material" von den Vorgängen habe, jedoch nicht von der Vergewaltigung. In schwedischen Medien wurden ebenfalls Teile der Aufzeichnung gezeigt. Darin war auch zu sehen, wie einer der Angreifer einen Revolver hält. Die Ermittler baten eindringlich darum, das Video nicht über soziale Netzwerke zu verbreiten, sondern an die Polizei zu übergeben.

Facebook hat bald zwei Milliarden Nutzer - und zunehmend Probleme damit, dass immer mehr gewaltverherrlichende oder strafbare Inhalte hochgeladen werden. Es handele sich um ein "abscheuliches Verbrechen", sagte ein Facebook-Sprecher nun zu dem Fall aus Schweden. Das Unternehmen sei fortlaufend damit beschäftigt, verdächtiges Material ausfindig zu machen, wenn es von Nutzern angezeigt werde. Sobald Nutzer strafrechtlich relevante Inhalte melden, ist Facebook als Plattformbetreiber verpflichtet, diese zu löschen.

Ermittler und Behörden fordern schon länger, dass sich Facebook intensiver an der Aufklärung von Straftaten beteiligen soll, indem es den Strafverfolgern etwa Chatprotokolle oder hochgeladene Fotos und Videos zur Verfügung stellt. Im ersten Halbjahr 2016 gab es in Deutschland etwa 3700 Fälle, in denen staatliche Stellen entsprechende Daten angefordert haben. Facebook hat mehr als die Hälfte davon abgelehnt. Oft liegt das an juristisch unzureichend begründeten Auskunftsersuchen oder unterschiedlichen Auslegungen der Meinungsfreiheit.

Es gibt drei Arten von Facebook-Gruppen: offene, geschlossene und geheime. Offene Gruppen sind für alle Nutzer sichtbar, und jeder kann beitreten. Wer Teil einer geschlossenen Gruppe werden will, muss davor eine Beitrittsanfrage stellen, die von einem Administrator bestätigt wird. Geheime Gruppen sind dagegen überhaupt nicht öffentlich sichtbar. Für den Beitritt ist eine Einladung nötig. Viele dieser Gruppen dienen dazu, um unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen Flüchtlinge zu hetzen oder zu Gewalttaten aufzurufen. Teilweise tauschen die Nutzer auch Missbrauchsvideos von Kindern oder anderes strafbares Material aus.

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