SZ-Kolumne "Bester Dinge":Du liebster Schwan!

Einsamer Schwan trifft mögliche Partnerin
(Foto: Andreas Rosar/dpa)

Ein schwäbischer Schwan namens Hänsel braucht kein Tinder, um seine Gretel zu finden. Er setzt auf ein eher klassisches Medium.

Von Felicia Klinger

Einsamkeit macht krank. Auch Hänsel junior schwante Übles, als er nach vier Jahren immer noch alleine seine Kreise im Burgsee von Holzgerlingen ziehen musste. Der jugendliche Schwan aus dem Schwabenländle versuchte mehrfach, dieser Tristesse zu entfliehen - und wurde von der Feuerwehr wieder in den See getrieben.

Dieses Trauerspiel wollte sich der Holzgerlinger Hauptamtsleiter Jan Stäbler nicht länger ansehen und wählte den einzig würdigen Weg für einen Burgherren wie Hänsel. Er schaltete eine Annonce im Amtsblatt.

Gesucht wurde ein "Schwan (m/w/i)" für eine langfristige Partnerschaft. Der zukünftige Partnerschwan sollte kein Wochenendheimfahrer sein. Eine "erfolgreiche Emanzipation vom Elternhaus" werde erwartet, heißt es in der Annonce. "Flugfähigkeit" sei somit explizit "kein Einstellungskriterium".

Passend zum Medium versuchte Hänsel mit seinen Besitztümern zu überzeugen. Auch wenn er kein jung gebliebener Akademiker Anfang 60 ist, so hat er immerhin eine "gemütliche Unterkunft mit Pool" zu bieten. Über seine Kochkünste ist nichts bekannt, aber für zwei warme Mahlzeiten täglich sei gesorgt. "Morgens: gekochte Kartoffeln mit Kleie. Abends: Körner."

Knapp drei Wochen später hält ein weißer Wagen der Tierrettung vor Burg Kalteneck. Eine Schwanendame aus Aalen steigt aus. Bereits kurz nach dem ersten Date mit dem Schwanerich gleicht sie ihren Namen an. Und nennt sich ab sofort Gretel.

Ob sie der Pool oder doch eher die Kartoffeln überzeugt haben, verschweigt sie. Aber vielleicht erlebt die Zeitungsannonce dank Hänsel und Gretel ein Comeback. Als Kontaktbörse für vereinsamte Teenager.

Mehr gute Nachrichten lesen Sie hier.

© SZ/nas
Zur SZ-Startseite
Troy Littleton's Crib

SZ-Kolumne "Bester Dinge"
:Ein Bettchen im Büro

Studieren mit Kleinkind ist eine große Herausforderung - es sei denn, man hat das Glück, bei einem Professor wie Troy Littleton aus Massachusetts zu landen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB