SZ-Kolumne "Bester Dinge":Schwamm drüber

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(Foto: Colin McLay/WA Museum)

Eine australische Krabbenart weiß sich zu tarnen mit einem selbstgebastelten Hut - Forscher haben sie nun aber dennoch entdeckt.

Von Veronika Wulf

Forscherinnen und Forscher, die neue Arten entdecken, stellt man sich gemeinhin in Gummistiefeln durch den Regenwald stapfend vor. Mit Pinzetten sammeln sie Krabbeltiere in kleine Plastikbehälter, die sie in einer der tausend Taschen ihrer khakifarbenen Weste verstauen. Für ihre Feldforschungen reisen sie weit, in Gegenden extremer Hitze und Kälte.

In der Gegend, in der der österreichische Biologe Tobias Pfingstl kürzlich eine neue Spezies entdeckte, geht es zwar auch mitunter hitzig oder frostig zu, doch seine Reisedauer war überschaubar. Pfingstl entdeckte eine Milbenart auf Twitter - dank eines Fotos, das ein japanischer Nutzer teilte. Nein, der Mann hatte keine Milben auf dem Kopf und der Forscher keinen ultrahochauflösenden Bildschirm. Der Japaner hatte die Milben einfach auf einem Felsen abgelichtet. Pfingstl ließ sich ein paar Exemplare nach Österreich schicken und siehe da: eine neue Art. Da er mit dieser Methode schon einmal Milben spezifiziert und diese Twitter-Milbe getauft hatte, nannte er die neue nun Ameronothrus retweet, Retweet-Milbe.

Auch die Entdeckung von Lamarckdromia beagle ist aufmerksamen Naturnutzern zu verdanken: Eine Familie hatte die Krabbe an einem australischen Strand gefunden und an einen Zoologen geschickt, der sie nun als neue Art beschrieben hat, wie der Sender ABC berichtet. Das stark behaarte Tierchen hätte man nämlich - sorry, liebe Krabbe - leicht für verfilztes Seegras oder eine dreckige Kuscheltiervariante des "Star Wars"-Fellmonsters Chewbacca halten können. Mit dem Schwamm, den sie sich auf den Kopf legt, erinnert sie gar an jenen kleinen Maulwurf, der wissen möchte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Aber Schwamm drüber, alles in allem ist das natürlich eine äußerst clevere Tarnung.

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