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Schüsse in Las Vegas:23 Waffen, Überwachungskameras und eine 100 000-Dollar-Überweisung

  • Die Polizei sucht noch immer nach dem Motiv des Todesschützen von Las Vegas.
  • Jetzt soll die Freundin befragt werden, die sich zur Tatzeit außerhalb der USA aufhielt.
  • US-Präsident Donald Trump reist an diesem Mittwoch nach Las Vegas, um Angehörige der Opfer zu treffen.

Mehr als 48 Stunden sind inzwischen vergangen, doch noch immer ist das Motiv von Stephen Paddock unklar. 58 Menschen hat er ermordet und mehr als 500 verletzt, als er aus dem Fenster seiner Hotelsuite in Las Vegas auf die Besucher eines Country-Festivals feuerte.

Den Hergang der Tat und die Vorbereitungen darauf haben die Ermittler inzwischen rekonstruiert. 23 Waffen wurden in Paddocks Hotelzimmer sichergestellt, zudem große Vorräte an Munition und mehrere sogenannte "Bump Stocks". Das sind preisgünstige, in den USA legale Vorrichtungen, um halbautomatische Waffen zu einer automatikähnlichen Schussabgabe umfunktionieren zu können. So kann der Schütze schnell Hunderte Schüsse pro Minute abfeuern.

Mehr als zehn Minuten lang, von 22.08 Uhr bis 22.19 Uhr Ortszeit am Sonntagabend habe Paddock aus dem Fenster auf die Menschenmenge gefeuert. Als die Polizei das Zimmer stürmen wollte, habe er sich selbst getötet, sagte der zuständige Sheriff Joseph Lombardo.

Neben den Schusswaffen entdeckte die Polizei in dem Zimmer auch etliche Kameras. Eine davon sei am Türspion, eine andere auf einem Esswagen des Zimmerservices vor dem Raum platziert worden, so dass der Schütze sehen konnte, wenn sich jemand seinem Zimmer näherte. All das spricht dafür, dass Paddock seine Tat akribisch geplant hat. In seinem Wohnhaus in Mesquite, etwa 130 Kilometer von Las Vegas entfernt, und in einem Haus, das ihm ebenfalls gehört, hat die Polizei weitere Waffen und Sprengstoff gefunden.

US-Fernsehsender zeigten am Dienstag Polizeiaufnahmen aus dem Hotelzimmer, die offensichtlich nach dem Blutbad entstanden sind. Darauf sind unter anderem Waffen und zahlreiche Patronenhülsen zu sehen. Ein Foto soll den leblosen Körper des Schützen auf dem Boden zeigen. Wie die Aufnahmen an die Medien gelangten, ist bislang unklar.

Die Freundin des Todesschützen, die zur Tatzeit nicht in den USA war, ist unterdessen aus dem Urlaub von den Philippinen zurückgekehrt. Die 62-Jährige, die mit Paddock in dem Haus in Mesquite gelebt haben soll, sei "eine Person von Interesse", sagte Sheriff Lombardo. Von ihr erhoffe man sich wichtige Informationen. Sie soll so bald wie möglich befragt werden. Der Schütze soll ihr kurz vor der Tat 100 000 US-Dollar (etwa 85 000 Euro) überwiesen haben.

An diesem Mittwoch will US-Präsident Donald Trump nach Las Vegas reisen. Er will sich mit Vertretern der Sicherheitskräfte und Angehörigen der Opfer treffen. Nach der Tat ist in den USA die Debatte um die nach Ansicht von Kritikern zu laschen Waffengesetze wieder entbrannt. Der Chef der demokratischen Minderheit im Senat, Chuck Schumer, forderte in einer Rede in der Kongresskammer "vernünftige Reformen". Man könne das Böse oder den Wahnsinn nicht von der Erde verbannen, sagte Schumer. "Aber wir müssen tun, was in unserer Macht steht, um unser Land zu einem sichereren Ort zu machen." Trump sagte am Dienstag vieldeutig: "Wir werden mit der Zeit über Waffengesetze sprechen."

© SZ.de/AP/AFP/dpa/olkl/jly/cat/stein
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