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Schüsse auf Polizisten in Dallas:Polizeichef von Dallas nennt neue Details aus der Tatnacht

Dallas Mourns Killings Of Five Police Officers

Der Polizeichef von Dallas, David Brown, erklärt, dass die Waffengesetze in Texas bei der Aufklärung der Tat hinderlich waren.

(Foto: AFP)
  • Polizei wertet 170 Stunden Videoaufnahmen aus Körperkameras aus und analysiert 300 Zeugenaussagen.
  • Inzwischen ist die Zahl der verletzten Polizisten auf neun gestiegen.
  • Die Eltern des Schützen können sich die Tat nicht erklären, aber sie sehen einen Zusammenhang mit seinem Militäreinsatz.

Am Dienstag reist Barack Obama nach Dallas. Dort wird der US-Präsident an einem Trauergottesdienst für die Opfer der Polizistenmorde teilnehmen. Zwischenzeitlich hat der Polizeichef der texanischen Metropole, David Brown, weitere Einzelheiten über den Tathergang bekanntgegeben.

Offenbar hat die Polizei in Dallas mittlerweile mehr als 300 Zeugen vernommen und ist gerade dabei, die Bilder aus Körperkameras der Beamten und den Überwachungskameras aus der Umgebung auszuwerten. Es handele sich dabei um mehr als 170 Stunden Videomaterial.

David Brown korrigierte dabei auch die Zahl der Verletzten. Demzufolge hat Micah Xavier Johnson neun Polizisten verletzt. Dazu kommen zwei verletzte Zivilisten. Bisher hatte die Polizei von fünf toten und fünf verletzten Polizisten gesprochen. Der Polizei-Chef bestätigte, dass es einen Schusswechsel zwischen dem Heckenschützen und mehreren Polizisten gegeben hatte.

Problem der texanischen Waffengesetze

Elf Beamte hätten auf Micah Xavier Johnson geschossen. Zwei von ihnen hätten den Roboter bedient, mit dem der Attentäter schließlich getötet wurde. Die Sprengung habe nicht in der Parkgarage stattgefunden, wie ursprünglich berichtet, sondern in der Hochschule "El Centro" selbst. "Der Mann hatte offensichtlich Wahnvorstellungen. Er war sehr daran interessiert, Polizisten zu töten ", so Brown. Johnson habe während der Verhandlungen immer wieder gefragt, wie viele Polizisten er erwischt habe.

Die Suche nach dem Heckenschützen wurde in der Tatnacht auch durch die Folgen des in Texas sehr freizügigen Waffenrechts erschwert. Nach Angaben der New York Times sollen etwa zwei Dutzend der Demonstranten Gewehre getragen haben. Das offene Tragen von Waffen ist in Texas erlaubt und wird von der Waffenlobby auch in anderen US-Staaten propagiert. Diese Praxis stelle für die Polizei eine Herausforderung dar. Wenn alle bewaffnet seien, stehe die Polizei vor der Frage: "Wer ist der Gute, wer ist der Böse?", sagte Brown.

Johnson hatte trainiert

Den Angaben zufolge plante Micah Xavier Johnson eine noch größere Attacke. Darauf deuteten unter anderem Einträge in einem Tagebuch und der in seiner Wohnung entdeckte Sprengstoff hin. Er habe gewusst, was er tat, ob er die Fähigkeiten dafür bei Militär gelernt habe, sei zweifelhaft. Johnson war Soldat in Afghanistan - allerdings war er bei einer Einheit für Tischler und Maurer.

Die Familie des Schützen kann sich die Tat nicht erklären. Die Eltern sehen aber einen Zusammenhang mit dem Militärdienst. Seine Zeit bei der Armee sei nicht das gewesen, was er sich erwartet habe, sagte seine Mutter Delphine Johnson in einem Interview der Webseite The Blaze. Während seiner Dienstzeit wurde er offenbar beschuldigt, eine Soldatin sexuell belästigt zu haben. Die Armee schickte ihn damals zurück in die USA.

© SZ.de/dpa/AP/AFP/lkr

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