Schlüpfrige Werbestrategie im Porsche-Autohaus Kauf zwei, nimm drei

Früher gab's als Geschenk zum Porsche-Kauf einen Fernseher oder Laptop - heute ein Callgirl. Die Idee hatte zumindest der Geschäftsführer eines Autohauses in Westfalen: Wer zwei Cayennes kauft, sollte eine Nacht mit einer Frau bekommen - vom gleichnamigen Escort-Service.

Von Ines Alwardt

Es ist das pikante Detail in einem Gerichtsprozess, das dem Automobilhersteller Porsche momentan ziemlich großen Ärger bereitet. Der Geschäftsführer eines Porsche-Autohauses in Westfalen soll sich eine ganz besondere Werbestrategie für seine gut betuchten Kunden ausgedacht haben. Anstatt, wie in der Branche üblich, den Kunden beim Kauf eines Luxuswagens einen Flachbildfernseher oder einen Laptop als Präsent zu überreichen, soll der Chef ein ungewöhnliches Geschenk im Sinn gehabt haben. Wer zwei Autos kauft, sollte offenbar eine Nacht mit einer Frau bekommen - von der Begleitagentur Cayenne-Escort, ganz diskret, gebucht und bezahlt vom Autohaus.

Bekannt geworden ist dieses Detail nun vor dem Hamburger Landgericht. Dort klagt die Porsche AG seit November des vergangenen Jahres gegen die besagte Begleitagentur, und zwar wegen ihres Namens. Bundesweit vermittelt sie Frauen für romantische und erotische Stunden - unter dem gleichen Namen, den auch der Geländewagen des Automobilkonzerns trägt: Cayenne. Porsche sieht darin seine Markenrechte beschädigt und fürchtet um seinen guten Ruf - auch, weil sich der Konzern einer Aktion von Alice Schwarzer zur Abschaffung der Prostitution anschließen wolle.

Glaubt man allerdings den Aussagen von Anja Neubauer, Anwältin der Angeklagten, ist es mit diesem Ruf gar nicht so weit her. Denn im Februar 2012 soll der Geschäftsführer des Westfalener Autohauses sich mit seiner Idee an die Inhaberin der Escort-Agentur gewandt haben, ganz unbürokratisch in einer Nachricht über Facebook. Er soll darin sein Interesse daran bekundet haben, Frauen der Agentur an seine solventen Kunden zu vermitteln.

Ein schmuddeliges Angebot

Daraufhin kam es nach Angaben der Anwältin zu einem gemeinsamen Treffen im Autohaus, bei dem der Geschäftsführer seine Werbestrategie erläutert haben soll. Er habe zuvor schon mit einem anderen Bordell zusammengearbeitet, aber leider sei diese Geschäftsbeziehung im Streit auseinander gegangen, soll er der Unternehmerin erklärt haben.

"Meine Mandantin hat das Gespräch sehr schnell beendet", sagt Anwältin Anja Neubauer. "Ihr war das Angebot zu schmuddelig." Schon allein aus Sicherheitsgründen habe sie sich darauf nicht einlassen wollen. Als Auftraggeber sollte nur das Autohaus auftauchen, Namen und Adressen von Kunden wollte der Geschäftsführer der Escort-Chefin offenbar nicht nennen. Schließlich sollte für die Kunden alles diskret ablaufen. Für das Gespräch hat Neubauer einen Zeugen, die eidesstattliche Versicherung hat sie dem Gericht schon zukommen lassen.

Der Geschäftsführer des Porsche Autohauses, der ihr das Angebot gemacht haben soll, sagte auf Anfrage: "Es gibt und gab keine geschäftlichen Beziehungen." Er verwies auf seinen Anwalt, der sich zu der Sache am Mittwoch aber nicht äußern wollte. Das Hamburger Landgericht will das Urteil über den Namensstreit voraussichtlich am 10. April fällen.