bedeckt München 17°
vgwortpixel

Schleswig-Holstein:"Fun-Park" wird Containerdorf für Flüchtlinge

  • Auf dem Gelände der Großraumdiskothek "Ziegelei" soll ein Containerdorf für Flüchtlinge entstehen.
  • Die anliegenden Gemeinden Rondeshagen und Sierksrade fühlen sich überrumpelt, auf der Facebook-Seite der Disco häufen sich Rassismus und Beleidigungen.
  • Das Innenministerium in Schleswig-Holstein hatte die Behörden am Ort erst spät über die Planung informiert.

Am 28. November ist Goa-Party in der Großraumdiskothek "Ziegelei" in Schleswig-Holstein. Oder doch nicht? Auf der Facebook-Seite der Disco im Kreis Herzogtum Lauenburg, die sich "Norddeutschlands größter Fun-Park" nennt, steht die Veranstaltung noch. Doch inzwischen scheint es eher so, als würden Ende November bereits Container für Flüchtlinge auf dem Gelände der "Ziegelei" stehen.

Das Land Schleswig-Holstein möchte dort eine Erstaufnahmeeinrichtung für 1500 Flüchtlinge errichten. In der Kommunikation lief da wohl einiges schief. Bereits seit einigen Wochen gab es, so erzählt es inzwischen Besitzer Sigurd Sierig, Gespräche über die Unterkunft. Die Diskothek laufe schon länger nicht mehr gut, daher habe er dem Land das Grundstück zum Kauf oder zur Miete angeboten.

Die Gemeinden fühlen sich überrumpelt

Die Disco liegt zwischen Rondeshagen und Sierksrade. Doch die anliegenden Gemeinden sowie das zuständige Amt Berkenthin hat das Land erst am Montagabend informiert. Sie seien, so formulieren es die Kommunalpolitiker in einer Mitteilung, "von den Planungen des Landes völlig überrascht". Noch am Montagmittag habe ein Mitarbeiter des Amtes, so erzählt es dessen Leiter Frank Hase, das Gelände besucht. Der Mitarbeiter habe die Hausmeisterwohnung besichtigt, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Der Besitzer habe außerdem eine ehemalige Billardkneipe als Flüchtlingswohnung angeboten. Wenige Stunden später erfuhren die Bürgermeister aus Rondeshagen und Sierksrade dann, dass es bereits andere Pläne gibt.

Hase will jedoch nicht schlecht über Disco-Betreiber Sierig reden. "Sierig hat ja noch keinen Vertrag unterschrieben und ist wohl auch gebeten worden, mit den Plänen noch nicht an die Öffentlichkeit zu gehen", sagt der Amtsleiter.

Hase ist stolz darauf, bisher die ihm zugewiesenen Flüchtlinge in den elf Gemeinden, für die sein Amt zuständig ist, gut untergebracht zu haben. "Erst vergangene Woche habe ich mit den Gemeindevertretern darüber gesprochen, zehn bis elf Doppelhäuser zu bauen", erzählt er, "keine Container, keine Holzhütten, sondern etwas Vernünftiges." Außerdem gut über den Kreis verteilt, "dann werden sie doch viel leichter integriert". Gerade deswegen sei er jetzt enttäuscht, dass das Land die Gemeinden nicht früher in die Planungen für die Erstaufnahmestelle einbezogen habe. Nun wisse man nicht: Wie sollen die Flüchtlinge betreut werden? Was sagen wir den Bürgern? Und wie werden die Flüchtlinge versorgt? Vor allem die Trinkwasserversorgung auf dem Gelände bemängelt das Amt.

"Ein schwieriger Spagat"

"Für uns ist das ein schwieriger Spagat. Ich sehe mich nicht in Lage, über noch nicht konkretisierte Vorhaben zu informieren. Das würde Unruhe schaffen und dazu führen, dass wir zu keinem Ergebnis kommen", begründet Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler, warum die Gemeinden nicht früher informiert wurden.

Die Kommunikation lief aber auch an anderer Stelle nicht ganz rund: In einer ersten Mitteilung von Mittwoch schrieb das Innenministerium bereits von einer Flüchtlingsunterkunft "auf dem Gelände der ehemaligen Diskothek 'Ziegelei'" - obwohl dort für Oktober und November noch Veranstaltungen angekündigt sind.

Das wieder einzufangen, war dann die Aufgabe der Betreiber, die auf Facebook eilig verkündeten, die nächste Party am 24. Oktober finde auf jeden Fall statt. Und bisher sei auch noch nichts entschieden, keine Verträge unterschrieben. Der Ärger der Gäste war trotzdem groß. Auf der Facebook-Seite häufen sich seitdem Beleidigungen gegen die Betreiber und rassistische Bemerkungen: "Kommen die Crack-Lieferanten gleich vor die Tür". Oder Aufforderungen, zu protestieren "wie die Ossis in Dresden".