Schleswig-Holstein:Ehec-Epidemie offiziell beendet

Todesfälle, rätselhafte Krankheitsverläufe, verunsicherte Verbraucher: Knapp drei Monate nach Ausbruch der Ehec-Epidemie in Norddeutschland erklärt sie der schleswig-holsteinische Gesundheitsminister für beendet - und stellt Kliniken Zusatzzahlungen in Aussicht.

Gut zwei Monate nach ihrem Höhepunkt gilt die Ehec-Epidemie in Norddeutschland offiziell als beendet. Eine entsprechende Erklärung hat Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg abgegeben. Das Bundesland habe deutschlandweit die meisten Ehec-Infektionen und nach Hamburg die meisten schweren HUS-Fälle verkraften müssen, sagte der FDP-Politiker.

Institut: EHEC-Ausbruch ist beendet - 50 Tote

Der EHEC-Erreger 0104 soll weiterhin genau beobachtet werden - auch nach dem offiziellen Ende der jüngsten Epidemie.

(Foto: dpa)

Seit Anfang Mai wurden in Schleswig-Holstein elf Todesfälle, 966 Ehec-Erkrankungen und 205 der besonders schweren HUS-Fälle verzeichnet. Die bislang letzte HUS-Erkrankung und die letzte Ehec-Erkrankung im Norden wurden nach neuen Angaben am 16. Juli registriert. Das Robert Koch-Institut in Berlin hatte kürzlich als Datum der bundesweit letzten Ehec-Erkrankung den 4. Juli genannt.

In Deutschland starben seit dem Ausbruch der Epidemie 50 Menschen an den Folgen von Ehec- oder HUS-Erkrankungen. Insgesamt gab es 3469 nachgewiesene Fälle der Darminfektion.

Gesundheitsminister Garg wandte sich auch an die Krankenhäuser: Kliniken, die ohne Klärung der Kostenfrage schnell und mit größtem Einsatz die Patienten behandelt hätten, dürften jetzt nicht auf den Mehrkosten sitzenbleiben. Der Minister lud Vertreter der Krankenkassen und weiterer Kostenträger daher für September zu Gesprächen in sein Ministerium. "Wenn es finanzielle Mehrbelastungen gegeben hat, müssen die auch ausgeglichen werden", forderte Garg.

Mehrkosten ungewiss

Die Höhe der Mehrkosten lassen sich laut Garg erst nach dem Jahresabschluss der Krankenhäuser seriös beziffern. Berichte über Mehrausgaben von rund 5,5 Millionen Euro könne er deshalb nicht bewerten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums erhalten die Krankenhäuser für die Behandlung schwerer HUS-Fälle etwa 10.000 Euro - dem Minister zufolge ein wohl ausreichender Betrag.

Dagegen würden unbestätigte Ehec-Verdachtsfälle nur mit 1300 Euro vergütet, was angesichts der aufwendigen Diagnostik völlig unzureichend sei. Insgesamt habe sich die Zusammenarbeit von Bund, Ländern und der verschiedenen Behörden habe sich insgesamt bewährt, resümierte Garg. Kritik äußerte er allerdings am Bundesgesundheitsministerium, das nach seiner Initiative für die Einrichtung einer bundesweiten Hotline zu lange gebraucht habe. "Das hätte ich gerne zwei Tage schneller gesehen."

Das Ende des Ausbruchs bedeutet jedoch nicht das Ende des aggressiven Bakteriums. Garg appellierte daher an die Bürger, auch weiterhin Hygienevorschriften sorgsam zu beachten. Die intensivere Überwachung des EHEC-Erregers 0104 werde fortgesetzt. Es sei weiterhin mit vereinzelten Infektionen mit dem EHEC-Stamm zu rechnen.

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