Fußball Anklage gegen Schalke-Fan wegen versuchten Mordes

  • Beim Champions-League Spiel zwischen Schalke 04 und Manchester City im vergangenen Februar soll es zu einer Schlägerei zwischen Fans gekommen sein.
  • Ein mutmaßlicher Schalke-Ultra soll dabei einen City-Fan schwerst verletzt haben.
  • Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Essen gegen den Mann Anklage wegen versuchten Mordes.

Nach einer brutalen Attacke während der Champions-League-Partie gegen Manchester City hat die Staatsanwaltschaft Essen Anklage gegen drei Anhänger des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 erhoben. Dem Hauptbeschuldigten wird versuchter Mord vorgeworfen, den beiden anderen mutmaßlichen Tätern gefährliche Körperverletzung. Gegen einen vierten Verdächtigen wird noch ermittelt, berichtet Spiegel Online.

Das Landgericht Essen bestätigte am Freitag den Eingang der Anklageschrift, die auch bereits der Verteidigung der Beschuldigten zugestellt worden ist. Diese werden vertreten von der Kölner Kanzlei Heer und Sturm. Die beiden Anwälte hatten zuletzt im NSU-Prozess die Rechtsterroristin Beate Zschäpe vertreten.

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Bei der Schlägerei in der Gelsenkirchener Veltins-Arena am 20. Februar 2019 erlitt ein englischer Fußballfan lebensgefährliche Kopfverletzungen, musste anschließend notoperiert und ins Koma versetzt werden. Nachdem die Polizei eine Mordkommission eingerichtet hatte, wurde der Hauptbeschuldigte wenige Tage später festgenommen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nach Auswertung von Zeugenaussagen und Videoaufzeichnungen wirft die Staatsanwaltschaft den Beschuldigten vor, die Tat geplant zu haben. Sie sollen Mitglieder der Schalker Ultra-Gruppierung Hugos sein.

Laut Anklageschrift, aus der Spiegel Online zitiert, soll der englische Fußballfan gemeinsam mit seiner Familie und Freunden zu dem Spiel nach Gelsenkirchen gereist sein. Als Manchester City kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer erzielte, soll er Richtung Schalke-Block mit beiden Händen den Mittelfinger gezeigt haben. Einer der Angeklagten soll ihn daraufhin angrempelt und wenig später seinem Vater ins Gesicht geschlagen haben.

Der hauptbeschuldigte Schalke-Fan - laut Anklage ein erfahrener Kampfsportler und 2014 wegen gefährlicher Körperverletzung zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt - schlug wenig später dem Briten unvermittelt mit der Faust ins Gesicht. Dieser stürzte, erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und mehrere Knochenbrüche. Einen Monat nach dem Vorfall zitierte die BBC aus einem Facebook-Post des Verletzten. Er könne nun wieder treppauf und -ab laufen und bereite als Teil seiner Therapie Tee und Toast zu, schrieb der Mann dort. Er stelle sich auf eine lange Reha ein.

Aufgrund der Schwere der Verletzungen, aber wohl auch aufgrund seines persönlichen Hintergrundes, heißt es nun in der Anklageschrift über den Hauptbeschuldigten, er habe beabsichtigt, die "Arg- und Wehrlosigkeit des Geschädigten gezielt zur Tötung auszunutzen". Im Haftbefehl des Amtsgerichts Gelsenkirchen war noch nur von gefährlicher Körperverletzung die Rede.

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