Saudi-Arabien Die Frau, deren Beine in Saudi-Arabien für Wirbel sorgen

Saudi-Arabien rätselt: Wer ist das Model, das nur unser seinem Vornamen Khulud bekannt ist?

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Ein Video zeigt, wie ein Model namens Khulud in kurzem Rock und bauchfreiem Top durch eine Wüstenstadt schlendert - ein Skandal für das streng islamische Königreich.

Von Dunja Ramadan

Die nackten Beine des Models sind verpixelt, mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht oder mit einem roten Kreis markiert, um auf den Skandal aufmerksam zu machen: In Saudi-Arabien spazierte eine Frau, von der nur der Vorname Khulud bekannt ist, mit einem kurzen Rock und einem bauchfreien Top durch eine menschenleere Wüstenstadt.

Ein Video, das zuerst auf dem Nachrichten-Dienst Snapchat landete, zeigt Khulud, wie sie durch die sandfarbenen, engen Gassen des historischen Dorfes Ushaiqer läuft - zwei Autostunden von der Hauptstadt Riad entfernt und im Zentrum des strengen, wahhabitischen Islams. Hier ist das schwarze, bodenlange Gewand, die Abaya, Pflicht. Anders als das Kopftuch, das nicht überall im Königreich getragen werden muss, ist die Abaya für Frauen das Kleidungsstück schlechthin. Nackte Frauenbeine wird man vergeblich suchen. Entsprechend empört reagierten viele Saudis. Sie forderten in sozialen Netzwerken, Khulud zu verhaften. Bald setzte sich ein arabischer Hashtag durch: "Wir fordern ein Verfahren gegen das Model Khulud."

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Von der jungen Frau ist kaum etwas bekannt. Einige Nutzer behaupten, sie sei keine Saudi-Araberin, sondern Jemenitin. Der Polizeisprecher in Riad, Fawaz al-Maiman, bestätigte am Dienstag die Verhaftung der Frau. Sie werde vernommen. Das Video soll ohne das Wissen von Khulud veröffentlicht worden sein, heißt es weiter.

Auf Twitter berufen sich viele auf den saudischen Paragrafen 41, der besagt, dass man auf die Werte der saudischen Gesellschaft Rücksicht nehmen und deren Traditionen und Gefühle respektieren müsse. Dazu schreibt eine Nutzerin: "Im Westen sagt man uns doch auch, wir sollen die Gesetze achten. Diese nackten Bilder haben das Ansehen unseres Staates angegriffen und dreißig Millionen Muslime beleidigt. Wir müssen wissen, wer dahintersteckt."

Doch es gibt auch viel Gegenwind, einige werfen den Kritikern Doppelmoral vor. Der Grad der Verurteilung würde je nach Nationalität der Frau variieren. "Wäre die Frau eine Ausländerin, würden wir ihre Schönheit preisen, doch weil sie eine Saudi ist, wollt ihr sie verhaften", twittert eine Nutzerin. Auf Khuluds Körper wurde Ivanka Trumps grinsendes Gesicht montiert, darunter steht: "So, das war's Leute, Problem gelöst." Erst kürzlich verursachte der Besuch der Präsidententochter einen regelrechten Hype, unter dem Hashtag "Bint Trump", also "Tochter Trumps", hielten etliche Saudis um die Hand der Blondine an, die während ihres Besuchs aufs Kopftuch - und auf eine Abaya verzichtete.

Die Auseinandersetzung um das Video setzt auch die Staatsspitze unter Druck. Im vergangenen Jahr hat Kronprinz Mohammed bin Salman seine "Vision 2030" veröffentlicht, um das Land unabhängiger vom Öl zu machen. Auch die wahhabitische Gesellschaft wolle er langsam modernisieren, werfen ihm Kritiker vor. Khuluds Video-Aktion befeuert diese Auseinandersetzung nun.

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Anmerkung der Redaktion: Die junge Frau wurde zwischenzeitlich festgenommen und inzwischen wieder freigelassen. Anschuldigungen seien keine gegen sie erhoben worden, teilte das saudi-arabische Zentrum für Internationale Kommunikation am Mittwoch mit.