Santiago de Compostela Dutzende Tote bei schwerem Zugunglück in Spanien

"Das ist wie Dantes Inferno": Bei einem Bahnunglück in der Nähe der galicischen Hauptstadt Santiago de Compostela sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen, derzeit gehen die Behörden von mehr als 70 Todesopfern aus. Weit mehr als 100 Passagiere wurden verletzt. Der Zug soll mit hoher Geschwindigkeit in die Kurve gerast sein.

Ein schweres Zugunglück im Nordwesten Spaniens hat am Mittwochabend zahlreiche Menschen in den Tod gerissen. Die Opferzahlen sind in der Nacht weiter gestiegen. Wie ein Regierungsvertreter am frühen Donnerstagmorgen sagte, kamen mindestens 78 Menschen ums Leben, weitere Todesopfer könnten hinzukommen. Etwa 130 Menschen wurden verletzt, 20 Verletzte seien in einem kritischen Zustand.

Von den Verletzten hätten 111 bereits identifiziert werden können, die Identität von bis zu 20 weiteren sei jedoch noch unklar, sagte der Sprecher. Er verwies darauf, dass die Zahlen noch als vorläufig zu betrachten seien. Teile des Wracks seien weiter unzugänglich. In dem Personenzug saßen der spanischen Bahngesellschaft Renfe zufolge 238 Passagiere.

Rettungskräfte an der Unglücksstelle

(Foto: AFP)

Berichten der spanischen Medien zufolge war der Schnellzug in einer engen Kurve drei Kilometer vor dem Bahnhof von Pilgerstadt Santiago de Compostela entgleist. Mehrere Waggons sprangen aus den Schienen kippten um und wurden auseinandergerissen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg. Der hintere Teil des Zugs fing Feuer.

Ermittler berichten von möglicher Unglücksursache

An der Unglücksstelle boten sich schreckliche Bilder. Die Rettungskräfte bargen Tote und Verletzte aus den zertrümmerten Waggons. "Das Szenario ist schockierend", sagte Galiciens Regierungschef Alberto Núñez Feijóo. "Das ist wie Dantes Inferno."

Der Zug war auf dem Weg von Madrid nach El Ferrol. Die Ursache war zunächst nicht bekannt, Behörden und Eisenbahngesellschaft gehen von einem Unfall aus. Augenzeugen berichteten der Zeitung La Voz de Galicia, der Zug sei ungewöhnlich schnell in die Kurve eingebogen. Auch aus Ermittlerkreisen verlautete, der Zug sei möglicherweise zu schnell in eine Kurve eingebogen. Die spanische Eisenbahngesellschaft Renfe nannte diese Erklärung allerdings "sehr riskant".

Papst Franziskus zeigte sich betroffen über das Bahnunglück. Der Papst sei über den Unfall informiert worden und im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwochabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy wird nach Angaben der Regierungssprecherin den Unglücksort am Donnerstagmorgen besuchen. Santiago de Compostela ist seine Geburtsstadt, außerdem die Hauptstadt der Autonomen Gemeinschaft Galicien und ein wichtiges Pilgerzentrum, das jährlich Zehntausende Menschen anzieht. Am Donnerstag sollte dort ein Fest zu Ehren des Schutzpatrons von Galicien, des Heiligen Jakobs, stattfinden. Die Behörden sagten jedoch die geplanten Feiern nach dem Unglück ab.