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Sanierung am Kölner Dom:Lieb und teuer

Dom-Gerüst in Köln entfernt

Am Kölner Dom wird gebaut - immer wieder, seit 1248.

(Foto: dpa)

Herabfallende Gesteinsbrocken und miefende Mauern: Die Stadt Köln will die Schmuddelecken rund um den Dom beseitigen. Die Sanierungskosten dafür gehen in die Millionen. Nun wird darüber nachgedacht, auch die Firmen zahlen zu lassen, die den Dom im Logo führen.

Jedes Jahr ist der Kölner Dom die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit in Deutschland. Und lange war es auch so, dass die Mauern des Domes, die Wege und Tunnel um ihn herum so etwas waren wie die größte Pinkelecke des Landes. "Urinschleuse" nannten die Kölner den Tunnel neben dem Dom, auch der Dionysoshof und die Ostseite der Hohen Domkirche St. Petrus verströmten lange einen bissigen Geruch. Das tat dem Gestein nicht gut und der Stadt auch nicht.

Seit 2002 wurde die Neugestaltung der Dom-Umgebung diskutiert, die mehr den Idealen einer autogerechten Stadt angepasst wurde, nicht so sehr den Wünschen der Touristen und Bürger. Es sieht teilweise ziemlich schäbig aus um den Dom. In einem Dokumentarfilm über Gerhard Richter fährt der in Köln wohnende Maler auf der mehrspurigen Straße vor dem Dom in den Tunnel und murmelt: Schön ist es ja nicht.

Die wahrscheinlich teuerste und längste Großbaustelle Deutschlands

Das soll es nun aber werden, seit einigen Wochen wird vor dem Dom gebaut, die östliche Domplatte wird teilweise abgerissen, ein neuer Sockel errichtet. Der Dionysoshof soll seinen Brunnen zurückbekommen. Alles soll heller und freundlicher werden. "Es entsteht ein städtischer Boulevard mit Aufenthaltscharakter", so stellt sich das die Stadtverwaltung vor. Bisher musste man teilweise die Luft anhalten, um vom Dom zu den berühmten Museen dahinter oder zum Rhein zu kommen. Die Boulevardzeitungen bildeten regelmäßig Fotos von Touristen ab, die sich die Nase zuhalten. Bis 2015 soll nun alles fertig werden, die Gesamtkosten liegen bei 19,5 Millionen Euro. Das klingt erst mal nicht nach viel Geld, aber wenn man die Kosten seit Baubeginn 1248 zusammenzählt, dann ist der Dom wahrscheinlich die teuerste Großbaustelle des Landes. Der mittelalterliche Mensch habe gar nicht wissen können, wohin die Reise beim Dombau gehe, und was sie koste, sagt Dombaumeister Michael Hauck. "Wenn dr Dom fällt, is Köln kapott", sagt ein Sprichwort in der Stadt, und damit das nicht passiert, hat die Dombauhütte 90 Mitarbeiter und ein Jahresbudget von sieben Millionen Euro.

Größtes Problem sind die Außenfassaden der Chorkranzkapellen und die des Südturms. Nach Unwettern fallen Gesteinsbrocken herunter, die bis zu 50 Zentimeter groß sind, der mittelalterliche Trachytstein muss restauriert werden. Das wird eine Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte - und eine teure Angelegenheit. Bei anderen Gebäuden ist der Eigentümer für die Sanierung zuständig. Der Kölner Dom gehört aber nur sich selbst, er ist - juristisch betrachtet - eine Person des öffentlichen Rechts. Vertreten wird der Dom durch das Metropolitankapitel, das leitende Gremium katholischer Bischofskirchen. Der Bischof selbst und der Papst haben hier aber nichts zu sagen.

Mehr als 60 Prozent der jährlichen Baukosten sammelt der unabhängige und überkonfessionelle Zentrale-Dombau-Verein bei seinen 14.000 Mitgliedern weltweit ein, eine Herkulesaufgabe. Damit auch in Zukunft Geld da ist, schlug der Verein kürzlich vor, dass Hunderte Firmen, die den Dom im Logo führen, sich auch an dessen Erhalt finanziell beteiligen sollen. "Damit das Werbesymbol erhalten bleibt", so der Domsyndikus Wolfgang Glöckner.

© SZ vom 03.09.2013/cam/rus
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