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Samoa: Beben im Pazifik:Tsunami - Tod im Südseeparadies

82 Tote durch eine Flutwelle: Auf den Samoa-Inseln, einer früheren deutschen Kolonie, drang das Wasser fast einen Kilometer ins Landesinnere vor.

Ein Tsunami hat nach dem heftigen Erdbeben vor den Samoa-Inseln im Südwestpazifik mehrere Dutzend Menschenleben gefordert. Ein Sprecher der Katastrophenschutzbehörde von Samoa sprach im neuseeländischen Rundfunk sogar von etwa 100 Toten.

Der Polizeichef von Samoa, Lilo Maiava, nannte 82 Tote und befürchtet, dass die Zahl noch weiter steigen wird, da es noch keinen vollständigen Überblick über die Verwüstungen von Siedlungen gebe. Unter den zahlreichen Verletzten sind nach Behördenangaben auch zwei Deutsche.

Das Beben ereignete sich am Dienstag um 19.48 Uhr deutscher Zeit, vor Ort war es 6.48 Uhr morgens. Der Tsunami wurde durch ein Erdbeben der Stärke 8,0 rund 200 Kilometer vor der Südküste der Inseln ausgelöst. Die Region wurde von mehr als einem Dutzend Nachbeben erschüttert. Augenzeugen und Überlebende berichteten von der großen Wucht, mit der die Flutwellen an Land kamen.

Zunächst verhängte Tsunami-Warnungen für Südseestaaten wie Tuvalu, Kiribati, die Salomonen-Inseln und für Neuseeland wurden um kurz vor Mitternacht wieder aufgehoben. In Tonga starben zehn Menschen.

Zwei Deutsche wurden verletzt

Auf den Samoa-Inseln leben insgesamt rund 220.000 Menschen, darunter auch 25 Deutsche, die laut deutschem Konsulat alle wohlauf seien. Nach Angaben des deutschen Honorarkonsuls Arne Schreiber seien auch zwei deutsche Tourist verletzt worden. Schreiber sagte dem WDR, ein Ehepaar sei in einem Ressort von der Welle erfasst worden. Der Ehemann erlitt eine Kopfverletzung und wurde im Krankenhaus behandelt. Der Tsunami sei an der Südküste "verheerend" über das Land hinweggeflutet.

Die Bevölkerung der Samoa Inseln sei per SMS gewarnt worden, erklärte Schreiber. Das Tsunami-Frühwarnsystem funktioniere nicht über Sirenen, sondern über Textnachrichten auf dem Handy. Zentrale Stellen wie Bürgermeister und Hotelleitungen erhalten demnach eine Warnung und geben diese dann weiter. Da aber das Zentrum des Bebens aber nur 100 Meilen entfernt war, sei der Tsunami in nur 15 Minuten auf Samoa angekommen. "Die Warnung kam eigentlich zu spät." Derzeit arbeite niemand, die Schulen seien geschlossen. "Im Grunde genommen geht keiner raus", sagte Schreiber.

Zusätzliches Geld für das Katastrophengebiet

Die ehemalige deutsche Kolonie liegt auf halbem Weg zwischen Neuseeland und Hawaii. Betroffen war auch die Schwester-Insel Amerikanisch-Samoa rund 80 Kilometer weiter östlich. US-Präsident Barack Obama erklärte die Insel zum Katastrophengebiet - damit werden zusätzliche Finanzmittel für Rettungseinsätze frei.

Die Behörden hatten innerhalb von Minuten nach dem zwei- bis dreiminütigen Beben Tsunami-Alarm ausgelöst, berichtete der Lokalsender Radio Polynesia. Auf den Inseln werden regelmäßig Tsunami-Übungen durchgeführt. Viele der Einwohner der tiefliegenden Küstenregion hätten sich deshalb rechtzeitig auf höheres Terrain retten können, sagte Reporter Pipi Autagavaia in einem Gespräch mit der BBC.

Lokalsender berichteten, dass einige Dörfer völlig überschwemmt seien. "Zwei oder drei Ortschaften wurden schwer zerstört", sagte der Leiter des Gesundheitsdienstes von Amerikanisch-Samoa, Salamo Laumoli, dem US-Sender CNN.

Auf der Hauptinsel Upolu soll das Wasser bis zu 800 Meter ins Landesinnere gereicht haben, hieß es im neuseeländischen Rundfunk. Wendy Booth betrieb die Touristen-Anlage "Sea Breeze" an der Südküste, die nach ihren Angaben völlig zerstört wurde. "Die zweite Welle traf uns durch den Fußboden. Das Wasser rauschte zur Hintertür hinaus und riss uns mit", berichtete sie dem australischen Radiosender Fairfax Radio Network. "Wir konnten uns an einem Geländer festhalten, mein Mann und ich klammerten uns aneinander. Der Sog zurück Richtung Meer nach der Welle war gigantisch. Die Kraft des Wassers riss unsere Einrichtung durch das Dach."

Die Australierin Sue Whitby erlebte das Erdbeben und den Tsunami in der Hauptstadt Pago-Pago auf Amerikanisch-Samoa. Die Erde habe drei Minuten lang heftig gebebt, berichtete sie dem australischen Sender ABC. Von ihrem Balkon aus sah sie jede Menge überflutete Häuser und Geschäfte. Nach ihren Angaben war die Flutwelle vier Meter hoch. Der Strom sei ausgefallen, der Flughafen geschlossen und das örtliche Krankenhaus überflutet.

Ein Bekannter sei mit einem Bus unterwegs gewesen, als der Tsunami kam. "Das Wasser drang in seinen Bus ein", berichtete Whitby. "Er blieb schließlich in einem Mangobaum hängen, aber vier seiner Passagiere wurden fortgerissen." Auf ersten Fotos waren überflutete Straßen zu sehen. Autos, die von den Wassermassen mitgerissen wurden, lagen in Trümmerhaufen. An einer Stelle war ein mächtiges Boot auf dem Trockenen zu sehen.

Nichts Ungewöhnliches

Die Region bei Samoa und im Tonga-Graben gehört zu den aktivsten Erdbebenregionen der Welt. "Das ist nichts Ungewöhnliches. In dem Bereich gibt es weit über 80 Prozent aller weltweiten Beben", sagte der Leiter der Erdbebenstation der Universität Köln, Professor Klaus-G. Hinzen.

Dort liege die Grenze zwischen der pazifischen und der australischen Erdplatte. Beide bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von etwa acht Zentimetern pro Jahr aufeinander zu. Das jetzige Beben mit der Stärke 8,0 sei bei weitem nicht so stark wie das schwere Beben vor Sumatra im Dezember 2004, bei dem Stärken bis 9,4 gemessen wurden. "Dennoch kann ein solches Beben Tsunamis auslösen, die in ungünstigen Bereichen der Küstenregionen Wellen erzeugen, die Zerstörungen anrichten."

Ähnlich äußerte sich der Leiter der Sektion Seismologie am Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam, Rainer Kind. "Es war ein sehr flaches Beben", erklärte Kind - nach den ersten Messungen nur zehn Kilometer unter dem Meeresboden. Auch die Tatsache, dass das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii eine 1,57 Meter hohe Flutwelle beobachtet habe, spreche für ein flaches Beben. "Tsunamis, die von einem Beben der Stärke 8,0 ausgelöst werden, breiten sich normalerweise nicht über einen gesamten Ozean aus", sagte Kind.