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·:So normal, wie Orkane eben sind

Sturmtief 'Sabine' - Frankfurt am Main

Das Sturmtief "Sabine" fegt seit Sonntag mit teils sehr hohen Windgeschwindigkeiten über Deutschland.

(Foto: dpa)

Was "Sabine" von Stürmen wie "Kyrill" 2007 oder "Lothar" 1999 unterscheidet - und warum der Klimawandel eher keine Rolle dabei spielt.

Nein, Sabine war kein "Monstersturm", wie es teils hieß, auch keine Neuauflage von Kyrill, der 2007 über weiten Teilen von Europa übel wütete. Das Orkantief, das von Sonntag an von Nordwesten Richtung Südosten über Deutschland zog, war einfach nur ein Wintersturm, wie er in Deutschland alle paar Jahre vorkommt: heftig, gefährlich, aber nicht außergewöhnlich.

Das war auch ungefähr das, was Behörden erwartet hatten. "Unsere Vorhersagen sind ziemlich genau eingetroffen", sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Im Flachland erreichte Sabine Windgeschwindigkeiten von rund 120 Kilometern pro Stunde, das ist Orkanstärke, aber nicht extrem. Stürme wie Kyrill, der bis heute als Jahrhundertsturm gilt, oder Lothar im Jahr 1999 hatten es in tiefen Lagen auf mehr als 150 Kilometer pro Stunde gebracht. In den Bergen waren es bei diesen Stürmen weit mehr als 200 Kilometer pro Stunde, Sabine blieb mit 177 Kilometern pro Stunde auf dem Feldberg im Schwarzwald weit darunter.

Bemerkenswert war allenfalls die große Ausdehnung von Sabine in Deutschland: Die breite Bahn der Sturmwinde erfasste alle Bundesländer, allein Teilen des Nordostens blieb die volle Wucht erspart. Das Zentrum des Sturmtiefs zog derweil von Irland über Schottland - dort als Ciara bekannt - nach Norwegen, wo die Wetterdienste es Elsa nennen. Mit sich brachte der Sturm heftige Winde und Starkregen. Zu den unterschiedlichen Namen kam das Tiefdruckgebiet, weil sich Irland, Großbritannien, die Niederlande und Frankreich üblicherweise auf einen Namen einigen, während Deutschland und die Schweiz sowie Norwegen oft eigene Namen vergeben.

Entscheidend für die Situation in Deutschland war die Kaltfront am Rand des Tiefs, die das Land komplett durchquerte. Denn die starken Winde von Sturmtiefs wehen meist in höheren Lagen von rund 1000 Metern. Erst die zugehörige Kaltfront mit den Gewittern, die sie mit sich bringt, mischt die Luft durch und drückt die starken Winde bis in tiefe Lagen. In Süddeutschland kam etwas hinzu, was Meteorologen "Leitplankeneffekt" nennen: Zwischen der heranrückenden Kaltfront und den Alpen wurden die Winde nach DWD-Angaben zusammengepresst wie in einem Kanal und dadurch noch verstärkt.

Winterstürme haben mit dem Klimawandel kaum etwas zu tun

Aber auch wenn sich der Eindruck aufdrängen mag, dass Wetterphänomene immer heftiger werden: Mit dem Klimawandel lassen sich Winterstürme wie Sabine kaum in Verbindung bringen. Zwar kann wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen und liefert Stürmen dadurch prinzipiell mehr Energie.

Winterstürme werden aber vor allem durch den Temperaturunterschied zwischen der Arktis und mittleren Breiten angetrieben, und der ist wegen der enormen Erwärmung der Nordpolregion zuletzt eher zurückgegangen. Herbst- und Winterstürme in Orkanstärke gab es in Deutschland schon immer, schon 1972 richtete Quimburga Milliardenschäden an. Ein Trend zu mehr oder stärkeren Winterstürmen zeigt sich bislang nicht.

© SZ/lot
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