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Saarbrücken:Flüchtlingshelfer erstochen - Syrer gesteht vor Gericht

  • Vor dem Landgericht Saarbrücken hat der Mordprozess um einen Messerangriff in einem Beratungszentrum für Flüchtlinge begonnen.
  • Der Angeklagte, ein 27-jähriger Syrer, soll Anfang Juni einen Psychologen erstochen haben.

An jenem 7. Juni suchte Mohammed A., ein 27-jähriger Mann aus Syrien, das psychosoziale Zentrum des Deutschen-Roten-Kreuzes im Saarbrücker Stadtteil Burbach auf. Dort arbeiten Menschen, die Flüchtlinge bei der Ankunft in Deutschland unterstützen und ihnen helfen, durch Krieg oder Gewalt erlittene Traumatisierungen zu überwinden - auch ein 30-Jähriger Psychologe, der an diesem Tag für Mohammed A. zuständig war und ihn zur Therapie empfing.

Knapp fünf Monate nach der Tat muss sich A. nun vor Gericht wegen Mordes verantworten. Zum Prozessauftakt gestand er, dass er den Therapeuten in seinem Zimmer aufgesucht und - ohne etwas zu sagen - "auf ihn eingestochen" habe. Danach habe er sich das Messer selbst in den Bauch gestoßen. Das Opfer, ein angehender Vater, verblutete trotz notärztlicher Behandlung noch vor Ort.

Das Messer habe er dabei gehabt, um den Therapeuten zu bedrohen und nach mehreren vergeblichen Versuchen einen Termin zu bekommen, berichtete der Angeklagte. Auch habe er vorgehabt, sich selbst zu verletzen, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Vor der Tat habe er einen Liter Wodka getrunken. Ein Gutachter will während des Prozesses seine Schuldfähigkeit prüfen. Derzeit ist der Angeklagte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Mit einem Urteil wird Mitte November gerechnet.

Die Tat löste bei den Mitarbeitern des Roten Kreuzes und darüberhinaus Entsetzen aus. Kollegen des Opfers aus dem Psychosozialen Zentrum leiden bis heute an den Folgen. "Einige Mitarbeiter befinden sich immer noch in der psychologischen Betreuung. Die Betroffenheit ist weiterhin da", sagte der Sprecher des DRK-Landesverbandes, Martin Erbelding. Beschäftigte hätten sich Vorwürfe gemacht, weil es nicht gelungen sei, die Tat zu verhindern. Solch ein Vorfall könne jedoch "in jeder therapeutischen oder neurologischen Praxis vorkommen", sagte Erbelding.

Dennoch hat das DRK inzwischen Konsequenzen gezogen. Nach Auskunft von Michael Burkert, dem Präsidenten des DRK-Landesverbandes Saarland, sind die zwölf Mitarbeiter der Psychosozialen Beratungsstelle in ein anderes Gebäude umgezogen. Dort seien die Wartezimmer für die Klienten getrennt von den Büro- und Besprechungsräumen. Außerdem gebe es Deeskalationstrainings für die Mitarbeiter. Beratungen finden zwar wieder statt. "Wir achten jedoch vermehrt auf Sicherheitsaspekte in Beratungssituationen", sagte Burkert. Zum Beispiel auf Fluchtwege oder darauf, Gespräche eventuell zu zweit zu führen.

© SZ.de/dpa/olkl/lot
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