Russland:Schüsse in russischer Schule: viele Tote und Verletzte

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Amoklauf in Russland: Ein Polizist steht in Ischewsk vor der Schule 88

Ein Polizist steht in Ischewsk vor der Schule Nr. 88, wo ein Amoklauf stattgefunden hat.

(Foto: Sergey Kuznecov/IMAGO/SNA)

In Ischewsk östlich von Moskau ist die Zahl der Toten auf 17 gestiegen, unter ihnen elf Kinder. Der Kreml spricht von einem "terroristischen Akt", aber die Beweislage dafür ist dünn.

Bei Schüssen an einer russischen Schule sind in der Stadt Ischewsk am Montag mehrere Menschen getötet und verletzt worden. Die Zahl der Todesopfer sei auf 17 gestiegen, meldete die russische Nachrichtenagentur Tass am späten Montagabend. "Nach Angaben der russische Untersuchungsbehörde sind 17 Menschen, darunter elf Kinder und sechs Erwachsene, ums Leben gekommen", so die Agentur. Die Abteilung des Innenministeriums der Republik Udmurtien geht außerdem von mehr als 20 Verletzten aus. Einige Kinder verletzten sich beim Sprung aus dem Schulfenstern.

Der Täter tötete sich selbst, wie das Innenministerium bestätigte. Am Nachmittag nannten die Ermittler Details zur Identität des Täters: Es handele sich um einen 34-Jährigen, der früher einmal Schüler an der Schule Nr. 88 gewesen sei. Er soll mit zwei Makarow-Pistolen um sich geschossen haben. Der Mann soll wegen Problemen in psychischer Behandlung gewesen sei. Er sei auch schon mit einer Ordnungsstrafe belangt worden.

Der Kreml bezeichnete die tödlichen Schüsse als einen "terroristischen Akt". Kremlsprecher Dmitrij Peskow sagte, der Täter "gehörte allem Anschein nach einer neofaschistischen Organisation oder Gruppierung an". Ermittler hatten gesagt, der Mann habe ein schwarzes T-Shirt mit Nazi-Symbolik und eine Sturmhaube getragen. Echte Beweise wurden dafür nicht vorgelegt. Die Ermittler sagten, dass nun die Wohnung des Mannes und sein Umfeld auf nazistische Ansichten geprüft werden.

An der Schule Nr. 88 lernen nach offiziellen Angaben knapp 1000 Schülerinnen und Schüler, 80 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten hier. Udmurtien ist eine Teilrepublik im europäischen Teil der Russischen Föderation, Ischewsk ist seine Hauptstadt, sie liegt etwa 1000 Kilometer östlich von Moskau.

Offenbar ist die Suche nach Wachpersonal für Schulen schwierig

In Russland gab es früher sehr selten Amokläufe, in den vergangenen Jahren häuften sich aber die Angriffe auf Bildungseinrichtungen mit vielen Toten und Verletzten, beispielsweise im Mai 2021 an einem Gymnasium in Kasan, der Hauptstadt von Tatarstan, das an Udmurtien grenzt. Russische Behörden machten das Ausland mitverantwortlich, Attentäter würden sich von Schießereien an US-Schulen inspirieren lassen, hieß es immer wieder.

In Russland stellte sich noch am Montag die Frage, ob die Behörden aus den jüngsten Tragödien zu wenig gelernt hätten. Vom Gesetz her ist der Schutz an Schulen verstärkt worden. Doch offenbar ist die Suche nach Wachpersonal schwierig.

Nach einem Bericht der Zeitung Moskowskij Komsomolez gab es an der Schule Nr. 88 seit dem vergangenen Jahr mindestens zwei Ausschreibungen, es habe sich jedoch niemand gefunden, der bereit gewesen sei, sich um den Schutz der Schülerinnen und Schüler sowie des Lehrpersonals zu kümmern. Am Tag des Amoklaufes soll nach Angaben der Zeitung aber eine Sicherheitsfirma im Einsatz gewesen sein.

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