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Russische Ermittler zum Airbus-Absturz:Flugzeug brach in der Luft auseinander

An Egyptian military helicopter flies over debris from a Russian airliner which crashed at the Hassana area in Arish city, north Egypt

Überreste des Airbus in Ägypten.

(Foto: REUTERS)
  • Laut russischen Ermittlungsbehörden ist das Flugzeug, das gestern in Ägypten abgestürzt war, schon in der Luft auseinandergebrochen.
  • Der Südosten der Sinai-Halbinsel soll gemieden werden, sagt das Bundesverkehrsministerium.

Das in Ägypten abgestürzte russische Passagierflugzeug mit 224 Menschen an Bord ist nach Angaben russischer Ermittler schon in der Luft auseinandergebrochen. Die Trümmer des Airbus seien anschließend über ein weites Gebiet zerstreut worden, sagte Viktor Sorotschenko vom russischen Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitee (MAK) laut der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti. Es sei aber noch "zu früh, um Schlüsse zu ziehen".

Beim Absturz des Urlaubsfliegers waren am Samstag alle Insassen getötet worden. Ägyptischen Regierungsangaben zufolge brach der Kontakt mit der Maschine 23 Minuten nach dem Start ab. Die Absturzstelle liegt in einer schwer zugänglichen, bergigen Region im Zentrum des Sinai.

Nach dem Absturz hatte das Bundesverkehrsministerium seine Warnung vor dem Überfliegen der Region ausgeweitet. "Bisher bestand bereits eine allgemeine Warnung für den Norden des Sinai", sagte ein Sprecher. Lufthansa, Emirates und Air France hatten nach der Katastrophe bereits angekündigt, zeitweise einen Bogen um die Halbinsel zu machen.

Die Ermittler prüfen verschiedene Szenarien, die von einem Terroranschlag bis hin zu menschlichen Versagen reichen. Was gilt als wahrscheinlich und was schließen Experten eher aus? Ein Überblick:

Abschuss durch den IS

Zwar bekannte sich der ägyptische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) dazu, die Maschine zum Absturz gebracht zu haben, Experten bezweifeln dies aber. Demnach verfügt die Gruppe nicht über die Möglichkeiten, ein Flugzeug in 9000 Metern Höhe abzuschießen. Dazu fehlten dem IS auf dem Sinai sowohl die Ausrüstung als auch die Expertise, sind sich der ehemalige Direktor des französischen Museums für Luft- und Raumfahrt, Gérard Feldzer, und der frühere Chef der französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA, Jean-Paul Troadec, einig.

Die Theorie, dass der Urlaubsflieger auf seinem Weg vom Badeort Scharm el Scheich nach St. Petersburg dagegen in niedrigerer Höhe von einer Rakete getroffen wurde, halten die Experten für denkbar. Einem Militärexperten zufolge könnte die Maschine aus technischen Gründen in den Sinkflug gegangen sein. In niedrigerer Höhe hätten die Aufständischen das Flugzeug mit den ihnen verfügbaren Raketen abschießen können. Allerdings halten die Experten auch das für eher unwahrscheinlich, da dazu noch immer viel Vorbereitung notwendig gewesen wäre.

Terroranschlag

Luftfahrtexperten zufolge kann ein Anschlag, etwa durch eine Bombe an Bord, nicht ausgeschlossen werden. Sollte eine Bombe in rund 10 000 Metern Höhe an Bord explodiert sein, wäre das Flugzeug wegen des Drucks Militärexperten zufolge aber in der Luft komplett zerstört worden. Es könnte aber "weiter unten etwas passiert sein", möglicherweise habe jemand an Bord den Piloten gezwungen, in den Sinkflug zu gehen. Dann könnte es eine Explosion gegeben haben. Anderen Experten zufolge sind überdies die Gepäckkontrollen an ägyptischen Flughäfen eher lax.

Weil das Flugzeug bereits in der Luft auseinanderbrach, lagen die Trümmerteile weit verstreut. Diese Tatsache kann sowohl für die Theorie eines Anschlags als auch eines technischen Defekts an Bord sprechen, wobei es den Experten zufolge äußerst selten ist, dass ein technisches Problem zu einer Explosion des Flugzeugs in der Luft führt.

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Die Passagiere waren dem ungemütlichen russischen Herbst entflohen, machten Urlaub in Ägypten. Beim Rückflug kommt es über der felsigen Sinai-Halbinsel zur Katastrophe.

Technisches Problem

Ein Vertreter der ägyptischen Flugaufsicht hatte angegeben, der Pilot habe zuletzt einen Ausfall des Kommunikationssystems gemeldet. Er soll sich den Experten zufolge also eines Problems bewusst gewesen sein. Russische Airlines standen lange im Ruf, mit veralteten oder schlecht gewarteten Maschinen zu fliegen. In den vergangenen Jahren investierten die großen Fluggesellschaften jedoch in ihre Flotte. Die kleinen Airlines, welche Ferienziele anfliegen, setzen dagegen nach wie vor deutlich ältere Maschinen ein. Diese werden vor allem von ärmeren Russen genutzt.

Die russische Luftfahrtbehörde Rosawjazija erklärte indes, es gebe "keinen Grund davon auszugehen, dass die Ursache des Desasters ein technisches Problem oder ein Fehler der Crew war". Die betroffene russische Fluggesellschaft Kogalimawija, die unter dem Namen Metrojet fliegt, erklärte, die Maschine sei im vergangenen Jahr Sicherheitsprüfungen unterzogen worden.

Möglich ist auch, dass die Maschine durch unsachgemäße Wartung vorgeschädigt war. Deshalb werden nun die Wartungsdokumente nach internationalen Standards analysiert. Gemäß der internationalen Zivilluftfahrtbehörde ICAO muss Ägypten innerhalb von 30 Tagen einen ersten Zwischenbericht vorlegen.

Menschliches Versagen

Metrojet zufolge hatte der Pilot Waleri Nemow 12.000 Flugstunden absolviert, davon 3860 mit einem Airbus A321 wie der Unglücksmaschine. Die Wetterbedingungen zum Zeitpunkt des Absturzes waren zudem gut.