Russisch-orthodoxe Kirche Patriarch Alexij II. gestorben

Das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt, Patriarch Alexij II. von Moskau, ist tot. Der Patriarch wurde 79 Jahre alt. Er hatte seit langem mit Herzproblemen zu kämpfen.

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Alexij II., ist am Freitag im Alter von 79 Jahren gestorben. Der Patriarch sei am Morgen verstorben, sagte ein Sprecher seines Büros der Nachrichtenagentur Tass zufolge.

Religiöses Oberhaupt mit guten Verbindungen zu weltlichen Führern: Alexij II. führte die die russisch-orthodoxe Kirch in die postkommunistische Ära.

(Foto: Foto: AP)

Eine Todesursache wurde zunächst nicht genannt, der Patriarch hatte jedoch seit langem an Herzbeschwerden gelitten. Er musste sich wiederholt stationär behandeln lassen. Erst im vergangenen Jahr hielt er sich zeitweilig in einer Schweizer Klinik auf.

Der Deutschbalte, mit bürgerlichem Namen Alexej Rüdiger, hatte eine schrittweise Annäherung an die katholische Kirche befürwortet. Bis zuletzt sprach er sich aber gegen eine Reise des Papstes nach Russland mit dem Argument aus, der Vatikan wolle dabei für den katholischen Glauben im Land werben. Das Verhältnis blieb gespannt, der Patriarch hielt am Anspruch der russischen Orthodoxie auf ihr traditionelles "kanonisches Territorium" fest.

Alexij hatte die größte orthodoxe Kirche der Welt seit 1990 geleitet. Der Patriarch war das Haupt von rund 150 Millionen der insgesamt etwa 230 Millionen orthodoxen Gläubigen.

Der streitbare Religionsführer setzte verteidigte mehrfach den sich im Zeichen der Perestroika erneuernden russischen Staat gegen Umsturzbestrebungen. So verurteilte er im August 1991 den Putschversuch gegen Michail Gorbatschow, unterstützte fortan aber besonders den russischen Präsidenten Boris Jelzin.

Die größte Aufgabe seiner Amtszeit war der Neuaufbau seiner Kirche nach über 70 Jahren kommunistischer Unterdrückung. Dabei versuchte Alexij II. eine Balance zwischen reformorientierten Strömungen und sehr konservativen, teils nationalistisch orientierten Kräften. In der Amtszeit von Wladimir Putin verbesserten sich die gespannten Beziehungen zum russischen Staat deutlich.