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Rückverfolgung von Lebensmitteln:Was die Dürre in Marokko mit den Angaben auf dem Joghurt zu tun hat

Nach dem Brüten im Tank wird der Ochsenfurter Joghurt abgekühlt und mit der Fruchtzubereitung verrührt, womit wir bei den restlichen Zutaten wären: Die neun Prozent Erdbeeren, die sich laut Packungsangabe im Joghurt befinden, stammen zurzeit aus Spanien und Marokko. Insgesamt bezieht das Unternehmen 70 Prozent der verarbeiteten Früchte aus Europa und dem Mittelmeerraum. Danone kauft die Erdbeeren, der Lieferant erntet, wäscht, zerkleinert und gefriert das Obst am Ort, dann geht es an einen "deutschen Hersteller von Fruchtzubereitung", dessen Name nicht öffentlich genannt werden soll. Dort werden die Erdbeeren - und an dieser Stelle wird es noch einmal international - mit Zucker aus Deutschland und Frankreich, deutschem Rote-Bete-Saft und Erdbeer-Aroma aus der Schweiz gemischt.

Ist die Fruchtzubereitung unter den Joghurt gerührt, fließt das ganze in eigenproduzierte Becher, die verschlossen, in Kartons geschlichtet und auf Paletten gestapelt werden. 110.000 Tonnen Joghurt werden so jedes Jahr produziert und aus Ochsenfurt nach ganz Deutschland und in einige angrenzende EU-Länder geliefert.

Die Führung durch die Molkerei ist aufschlussreich, auch wenn man nicht besonders viel sieht - das meiste spielt sich nun mal in Tanks und Rohren ab. Interessant ist, was Molkereileiter Johannes Kogut berichtet. "Ich könnte Ihnen innerhalb von 24 Stunden sagen, wo die Zutaten eines jeden hier produzierten Lebensmittels herkommen", sagt er.

Werk in Ochsenfurt

Das Werk in Ochsenfurt

(Foto: Andreas Pohmer; Danone)

Alles machbar, nur viel Aufwand

Bleibt die Frage, warum das Wissen offenbar vorhanden ist, gleichzeitig aber kaum nach außen dringt. Warum wird die Herkunft der einzelnen Zutaten nicht auf die Joghurtbecher gedruckt, wie Sophie Herr und andere Verbraucherschützer fordern? "Das würde uns weniger flexibel machen", sagt Kogut. Wenn es in Marokko eine Dürre oder in Spanien Eisregen gäbe, müsse das Unternehmen schnell auf andere Erdbeer-Zulieferer ausweichen, dann kämen die Früchte vielleicht für ein paar Wochen aus Italien. Die Etiketten müssten anders bedruckt werden, oft seien diese aber schon weit im voraus fertig. Eine Kennzeichnung auf dem Becher sei daher nicht praktikabel. Das bestätigen auch andere Lebensmittelproduzenten.

Aber warum werden die Infos dann nicht ins Internet gestellt, wie es bei manchen Bio-Anbietern der Fall ist? Das sei denkbar, sagt Danone-Sprecherin Knittel, die betont, dass ihr Unternehmen seit etwa anderthalb Jahren daran arbeite, den Kunden Einblick in die Produktionsprozesse zu gewähren. "Dann brauchen wir zusätzliche Arbeitskraft, die sich für sämtliche Produktlinien nur darum kümmert, die Zutateninformationen online zu stellen und aktuell zu halten. Das ist alles machbar, es ist nur viel Aufwand."

Ein Aufwand, der aufgrund der niedrigen Nachfrage noch nicht als notwendig erachtet wird. Von den jährlich 40 000 Anfragen, die bei der Kundenhotline eingehen, bezögen sich nur sehr wenige auf die Herkunft der Zutaten, sagt Knittel.

Spreewälder Gurken, die nicht aus dem Spreewald stammen

Auch wenn in Umfragen viele Verbraucher angeben, sich für die Herkunft ihrer Lebensmittel interessieren - einen Anruf scheint ihnen die Auskunft nicht wert zu sein. Doch das ist nur eine Lesart. Die andere ist, dass sich die Verbraucher an die mangelnde Transparenz gewöhnt haben. Daran, dass sie essen, was auf den Tisch oder ins Supermarktregal kommt, ohne viel zu fragen. Zumal Fragen allein selten ausreichen, um die gewünschten Informationen zu bekommen, wie diese Recherche gezeigt hat.

"Wir hoffen, dass sich das ändert", sagt Sophie Herr. Ein mündiger Verbraucher benötige ausreichend Informationen, um bewusste Entscheidungen treffen zu können. Stattdessen werde er viel zu oft im Unklaren gelassen - oder im Extremfall sogar in die Irre geführt. Wie etwa bei "Spreewaldgurken", die nicht aus dem Spreewald stammen, oder "Schwarzwälder Schinken", für den das betreffende Schwein nie im Schwarzwald gewesen sein muss. Beide Lebensmittel tragen zwar das Siegel der "geschützten geografischen Angabe", doch dafür muss nur ein Teil des Herstellungsprozesses in der Region stattgefunden haben. Es reicht zum Beispiel, wenn der Schinken im Schwarzwald geräuchert wurde.

Vor diesem Hintergrund verwundert ein weiteres Ergebnis der bereits zitierten Verbraucherstudie nicht: Demnach fehlt vielen Verbrauchern beim Einkauf die Orientierung. 80 Prozent der Befragten ärgern sich über Verpackungsangaben, 50 Prozent glauben, dass sie irreführend sind. Damit haben die Verbraucher vielleicht nicht in allen Fällen recht - aber in vielen.

Was den Joghurt angeht, war der Besuch in Ochsenfurt am Ende durchaus erkenntnisreich. Er hat gezeigt, dass auch multinationale Konzerne den Überblick behalten können, woher die Zutaten ihrer Produkte stammen. Jetzt müssen die Infos nur noch bei den Verbrauchern ankommen.

Linktipps:

Die Verbraucherzentrale zeigt, was die Kennzeichnungen auf der Verpackung bedeuten.

Redakteure der "Zeit" haben die Spur einer Pizza aufgenommen.

Wie die Gesetzeslage im Bereich der Lebensmittel-Rückverfolgung aussieht, hat der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V. zusammengetragen.

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