Rudi Assauer macht Alzheimer-Erkrankung öffentlich "Der Kopf, die Birne - schlimmer geht's nicht"

Zwei Jahre hat er sein Leiden geheimgehalten, nun trägt Rudi Assauer seine Alzheimer-Diagnose in die Öffentlichkeit. Der Ex-Fußballprofi und langjährige Sportmanager hat seinen Alltag mit der Krankheit in einem Buch dokumentiert - und sich von Kameras begleiten lassen.

Als Manager des FC Schalke 04 war er einer der Hauptpaten in der männerdominierten Welt des Fußballs. In Werbespots gab er gerne mal den Bier trinkenden, in Anwesenheit der eigenen Partnerin fremden Frauen nachschauenden, kantigen Kerl. Doch nun ist Rudi Assauer, der Macher und Macho, im täglichen Leben auf fremde Hilfe angewiesen: Denn der 67-Jährige leidet an Alzheimer, seit mehreren Jahren schon.

Coole Miene, Zigarre im Mund: So will Rudi Assauer trotz seiner Alzheimer-Erkrankung weiterhin gesehen werden - darauf lässt zumindest das Cover seines biographischen Buches Wie ausgewechselt - Verblassende Erinnerungen an mein Leben schließen.

(Foto: dpa)

An diesem Dienstag hat die Familie des Ex-Profisportlers und -Fußballmanagers entsprechende Berichte des ZDF, der Bild-Zeitung und der WAZ-Mediengruppe bestätigt. Seit Januar 2010 lässt sich Assauer in einer Essener Klinik behandeln - dass er seine Alzheimer-Erkrankung jetzt öffentlich macht, hat einen bestimmten, traurigen Grund: Als die Anzeichen wie Gedächtnisverlust und Verwechseln von alten Bekannten unübersehbar wurden, habe er sich entschlossen, offensiv an die Medien zu gehen, hieß es aus Kreisen der Familie.

Einblicke in das Leben mit dem schleichenden Vergessen

Zwei Jahre hat Assauer seine Diagnose geheimgehalten, doch nun will er Einblicke geben in das Leben mit dem schleichenden Vergessen. Dazu hat er ein Buch geschrieben: Wie ausgewechselt - Verblassende Erinnerungen an mein Leben, werde am 2. Februar auf den Markt kommen, teilte der Verlag mit. Das Vorwort hat nach Bild-Angaben Assauers Freund und Schalke-Cheftrainer Huub Stevens geschrieben.

"Wenn es eine Sache in der Welt gibt, wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer. Bloß nicht diese Nummer. Bloß nicht dement werden im Alter, das schwirrte mir oft im Kopf herum", heißt es in dem autobiografischen Werk. Bereits Assauers inzwischen verstorbene Mutter war an Alzheimer erkrankt, sein älterer Bruder wird seit Jahren wegen Altersdemenz in einem Pflegeheim betreut.

Zusätzlich zum Buch hat sich der einstige Zigarren-Zampano ein Jahr lang von ZDF-Fernsehteams begleiten lassen. Erste Interviewsequenzen wurden bereits am Dienstagmorgen bei Volle Kanne gezeigt. Ausführlichere Sendungen mit Assauer folgen dem Sender zufolge am Freitag (3.2.) und am kommenden Dienstag (7.2.).

Assauer war mehrere Jahre mit der Tatort-Darstellerin Simone Thomalla liiert. Im vergangenen Frühjahr heiratete er dann seine aktuelle Lebensgefährtin Britta. Seiner Familie zufolge lebt er derzeit bei seiner Tochter in der Nähe von Gelsenkirchen, auch seine langjährige Sekretärin soll sich weiter um Assauer kümmern.

"Jetzt auf einmal ist alles vorbei. Tja, kein Mensch kann Dir helfen", sagte er in einer bereits veröffentlichten Interviewsequenz. Auch in seinem in Kürze erscheinenden Buch kommt die Hilflosigkeit des 67-Jährigen ob seiner Diagnose zum Ausdruck: "Es gibt künstliche Knie, neue Hüftgelenke, andere freuen sich des Lebens mit 'nem Herzschrittmacher, aber der Kopf, die Birne. Schlimmer geht's nicht", heißt es dort.

"Ich wünsche ihm alle erdenkliche Kraft"

Weggefährten zeigten sich nach Bekanntwerden von Assauers Alzheimer-Erkrankung erschüttert: "Dass ihn diese furchtbare Krankheit ereilt hat, macht mich sehr betroffen. Ich wünsche ihm alle erdenkliche Kraft, mit diesem schweren Schicksal umzugehen. Eines steht fest: Nicht nur die Sympathien, auch die Unterstützung aller Schalker sind ihm sicher", sagte Schalke-Boss Clemens Tönnies.

In den vergangenen Jahren war es still um den einstigen Bundesliga-Profi geworden, der 307 Erstligaspiele für Borussia Dortmund (1964 bis 1970) und Werder Bremen (1970 bis 1976) bestritt. Mit dem BVB gewann er als Spieler den Europapokal der Pokalsieger (1966) und den DFB-Pokal (1965). Nach seiner aktiven Karriere wechselte Assauer in die Führungsebene: Über drei Jahrzehnte - unterbrochen nur von kurzen Engagements beim SV Werder und dem VfB Oldenburg - war "Stumpen-Rudi", dessen ständig qualmende Zigarre zu seinem Markenzeichen wurde, Manager beim FC Schalke.

Mit seinem Klub holte Assauer 1997 sensationell den Uefa-Pokal und wurde 2001 und 2002 Pokalsieger. Unvergessen sind auch die Bilder des jubelnden Club-Managers bei der Vier-Minuten-Meisterschaft der Königsblauen 2001: Nach dem Abpfiff war er einer Fehlinformation aufgesessen und zelebrierte schon den Titeltriumph im Fernduell der Schalker mit Bayern München. Wenige Augenblicke später stürzte das Ausgleichstor von Patrik Andersson für die Bayern ganz Schalke - und Assauer - in tiefe Depression.