Spanisches Königshaus Der Leise und die Verstummte

Was wurde nicht alles geschrieben über diese Frau, die mittlerweile Königin ist, über jene Letizia. Viel Ausgewogenes war nicht dabei.

(Foto: Cristina Quicler/AFP)

König Felipe VI. wird respektiert, seine Frau Letizia medial vernichtet. Warum hat sie nicht geschafft, was ihr viele zutrauten: Spaniens Macho-Monarchie aufzumischen?

Von Thomas Urban, Madrid

Ein Volksfest ist nicht vorgesehen für Mittwoch, den fünften Jahrestag der Thronbesteigung König Felipes VI. und seiner Frau Letizia. Volksfeste sind nicht Sache des Monarchen, er hält sich eher von seinem Volk fern. Die Jovialität und auch der gelegentlich derbe Witz seines Vaters Juan Carlos gehen ihm völlig ab. Dieser näherte sich den Untertanen auch mal schulterklopfend. Felipe strahlt dafür Seriosität aus, eine Eigenschaft, welche die krisengebeutelten Spanier zu schätzen wissen. Seine Stellung als Staatsoberhaupt ist unangefochten, auch wenn die Republikaner im Land zuletzt Zulauf verzeichnen können.

Über Letizias Beliebtheit gibt es zwar keine offiziellen Umfragen, dafür haben die Hofexperten, die sogar in seriösen Medien zu Wort kommen, ein Urteil gefällt: Die 46-Jährige habe es nicht geschafft, den Weg in die Herzen ihrer Landsleute zu finden. Seitdem Juan Carlos sich vor sieben Jahren auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, als Millionen Spanier arbeitslos wurden, bei einer Elefantenjagd vergnügte, seitdem sein Schwiegersohn wegen Veruntreuung öffentlicher Mittel zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden ist, schreibt ein Teil der Klatschpresse mit früher unvorstellbarer Respektlosigkeit über das Königshaus. Zu den bevorzugten Zielen gehört Letizia: Sie sei stets missgelaunt, leide vermutlich unter Magersucht, und ihre angeblichen Schönheitsoperationen hätten Zehntausende Euro an Steuergeldern gekostet.

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Letizia hat die Hoffnungen vieler enttäuscht, die darauf gesetzt hatten, dass sie die "Volksprinzessin" wird, so wie dies der niederländischen Königin Maxima oder der Frau des norwegischen Thronfolgers, Mette-Marit, gelungen ist. Beide schaffen den Spagat zwischen Volksverbundenheit und Dasein als Majestät. Letizia aber, Druck von allen Seiten ausgesetzt, hat die Verbindungen zu diesem Volk, aus dem sie stammt, selbst gekappt. Dabei hatte sie zu den Frauen gehört, die sich zur Jahrtausendwende anschickten, die spanische Machogesellschaft aufzumischen.

In einem Punkt sind sich die Beobachter und lästernden Online-Kommentatoren einig: Letizia fühle sich nicht wohl in ihrer Rolle, ständig im Mittelpunkt zu stehen, aber nicht als handelnde Person, sondern als schmückendes Beiwerk ihres sie um anderthalb Köpfe überragenden Mannes. Vor 15 Jahren haben sie geheiratet, der damalige Kronprinz und die junge Frau aus dem Volk, die schon als Kind eine Radiosendung moderierte und später Kommunikationswissenschaften studierte. Letizia Ortiz arbeitete erst als Reporterin, dann als Moderatorin eines Nachrichtenmagazins im staatlichen Fernsehen. Sie galt als schlagfertiger Mensch mit Humor.

Könige und Königinnen unter sich: Felipe VI., Elisabeth II. und Letizia am Montag in Windsor Castle, England.

(Foto: Steve Parsons/AP)

Inzwischen ist ein halbes Dutzend Bücher über das Königspaar erschienen; die Geschichte, die sie erzählen, geht so: Felipe, damals schon Mitte 30, erzählte seinen Eltern, er habe endlich die Frau seines Lebens getroffen, die schöne wie kluge Letizia Ortiz. Doch Vater Juan Carlos und dessen strenge Gemahlin Sofía aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und Hannover, hätten versucht, das junge Glück zu stören.

Denn ihr Sohn schwärmte für eine Frau, die nicht nur aus der unteren Mittelschicht stammte, sondern geschieden war. Ihr erster Mann war Literaturlehrer an ihrer Schule, sie war 15, er war 25, als sie zusammenkamen. Ein Skandal, er musste den Schuldienst verlassen. Und dann, um kurz im Jargon der Boulevard-Fachblätter zu bleiben, war da noch ihr wildes Auslandssemester in Mexiko, wo sie Muse eines Malers war, er malte sie barbusig. Am Ende setzte sich der verliebte Felipe durch. An den ersten Auftritt der Frischverlobten vor der Presse erinnern sich Monarchisten heute noch, mit Schaudern: Nicht nur, dass die sogenannte "Plebejerin" kein züchtiges Kleid, sondern einen Hosenanzug trug, sie unterbrach den verliebten Kronprinzen mit dem Satz: "Nun lass mich mal reden!"

Ihr Verhältnis zum Rest des Königshauses war wohl von Anfang an gestört. Als Letizia ihre ersten Schritte als Verlobte Felipes am Hof machte, soll sie bei einer Teerunde mit Gästen über den Irakkrieg gesprochen haben, an dem sich Spanien mit einem Truppenkontingent beteiligte. Als Letizia, die als Reporterin von dort berichtet hatte, ausführlich davon erzählte, habe Königin Sofía sie nach einer Weile unterbrochen: "Wir wissen schon, dass du die Intelligenteste in der Familie bist, aber lass auch mal die anderen zu Wort kommen!"

Die Verlobte des Thronfolgers stieß laut Hofbeobachtern auch bei den älteren Schwestern Felipes auf eisige Ablehnung. Das in den Augen der adligen Gesellschaft skandalöseste Ereignis aus ihrem Vorleben wurde erst ein Jahrzehnt nach ihrer Hochzeit bekannt. Einer ihrer Cousins, der Rechtsanwalt David Rocasolano, veröffentlichte ein Buch mit dem Titel "Adieu, Prinzessin!". Darin beschrieb er, dass sie den Kontakt zu fast allen Verwandten abgebrochen habe; sie schäme sich, dass diese sich nicht nach der Hofetikette benähmen. Rocasolano ließ in dem Buch die Quittung eines Madrider Krankenhauses abdrucken: Letizia Ortiz hat demnach in jungen Jahren eine Abtreibung vornehmen lassen.

Ehemalige Vertraute sagen, sie sei Opfer ihrer eigenen Fehleinschätzung geworden: Sie habe geglaubt, sie habe genügend Kraft, um frischen Wind in die abgeschottete Welt des Königshofs zu bringen. Doch damit sei sie gescheitert. Nichts ist von der unbeschwerten Nicht-Königin geblieben, sie ist verstummt.

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