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Britisches Königshaus:Abschied im Zorn

  • Dienstag ist der letzte Tag von Prinz Harry und Herzogin Meghan in Diensten Ihrer Majestät.
  • In Großbritannien wird dem Paar übel genommen, dass es sich herausgezogen hat aus der royalen Routine.
  • Harry und Meghan sollen nach Los Angeles ziehen wollen - ihre weiteren Pläne sind bislang nicht bekannt.

Von Cathrin Kahlweit, London

Donald Trump ließ es sich nicht nehmen, Prinz Harry und Meghan Markle persönlich zu begrüßen. Unbestätigten Berichten zufolge haben die beiden beschlossen, ihr bisheriges Domizil in Kanada gegen einen Wohnsitz in Kalifornien einzutauschen. Sie wollten, heißt es, näher bei Meghans Familie und Freunden sein, zudem soll Markle eine Sprechrolle in einem Disney-Dokumentarfilm übernehmen. Hollywood is calling.

Trumps Begrüßung klang so, wie man neue Nachbarn begrüßt, die man lieber nur von hinten sehen möchte: "Ich bin ein großer Bewunderer der Queen und des Vereinigten Königreichs. Es gab Berichte, dass Harry und Meghan, die das Königreich verlassen hatten, in Kanada leben würden. Jetzt sind sie in den USA. Die USA werden aber nicht für ihre Sicherheit zahlen. Sie müssen zahlen!" Das Paar hatte allerdings gar nicht angefragt. Man habe diese Frage anders geregelt und finanziere seine Sicherheitsleute privat, heißt es in einem indignierten Statement.

Von allen Seiten hagelt es derzeit Unfreundlichkeiten. Dienstag ist der letzte Tag in Diensten Ihrer Majestät. Von Mittwoch an wird das Paar gar keine offiziellen Termine mehr übernehmen. Es ist die letzte Phase eines Abschieds im Zorn: Seinen Titel His Royal Highness musste Harry schon vorher ablegen. Bei Bekanntgabe ihres Ausstiegs aus der Maschinerie der Monarchie hatte es Ärger darüber gegeben, dass beide ihre Aktivitäten mit dem Adjektiv "royal" vermarkten wollten; auch das wurde ihnen untersagt.

Am 9. März war die ganze Familie aus Anlass des Commonwealth Days noch einmal in London zusammengekommen, man sprach wenig miteinander vor laufenden Kameras, die Atmosphäre war merklich steif. Harry absolvierte dann noch ein paar Charity-Termine, bevor er zurückflog zu seiner Frau und Sohn Archie.

Nun also folgt der ganz große Bruch. Britische Medien verbreiten Häme. Dem Paar wird eindeutig übel genommen, dass es sich ganz herausgezogen hat aus der royalen Routine. Der Daily Telegraph, der das Handeln des Duke und der Duchess of Sussex seit mehreren Monaten sehr kritisch begleitet, nutzt die Corona-Krise für kleine und größere Bosheiten: Während Prinz William und Herzogin Kate mit ihren Kindern am vergangenen Freitag mitgemacht hätten beim großen Dankeschön-Applaus für Ärzte und Krankenschwestern in Großbritannien, hätten Harry und Meghan aus der Ferne nur Emojis von klatschenden Händen geschickt.

"Eine müde Reaktion, verglichen mit der Herzenswärme, mit der die drei Kinder des Duke of Cambridge mitgemacht haben", schreibt Meghan-Hasserin und Kolumnistin Camilla Tominey. Sie war es auch gewesen, die den beiden im Januar, als Entscheidung und Abschied öffentlich wurden, unnötige Spitzen gegen die Queen sowie mangelnde Loyalität vorgeworfen hatte und erklärte, die beiden seien "fehlgeleitet und überheblich".

Auch andere britische Medien verabschieden das Paar lieblos. Die Sussexes hätten "Ruhm über Pflicht" gestellt, schreibt die Times, und die Daily Mail kritisiert, die beiden hätten jetzt ein neues Leben in "La-La-Land" - genau das, was sie wollten". Harry habe sich per E-Mail von seiner Familie losgesagt, das sei unverzeihlich. Die Mail zitiert zudem genüsslich eine Quelle aus dem Palast, die klagt, dass es nicht so hätte kommen müssen. "Das Problem ist, dass Harry und Meghan so selbstgerecht, trotzig und arrogant sind, dass sie den Fehler nicht einräumen würden, selbst wenn sie ihn erkennen sollten."

Die Antwort des Paars findet sich auf seiner Webseite: "Wichtig ist zu sehen, was uns verbindet, nicht was uns trennt." Britischen Medien zufolge will das Paar noch vor dem Wochenende seine weiteren Pläne vorstellen.

Zunächst bedankte es sich bei seinen 11,3 Millionen Instagram-Followern: "Auch wenn ihr uns hier nicht mehr seht, so geht die Arbeit doch weiter", schrieben sie. "Wir freuen uns darauf, bald wieder mit Euch in Verbindung zu treten." Während der Corona-Pandemie wollten Harry und Meghan nicht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sagte ihre Sprecherin der Nachrichtenagentur PA.

© SZ/ick
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