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Britisches Königshaus:Prinz Charles ist mit dem Coronavirus infiziert

Prinz Charles wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Er zeige milde Symptome, habe sich in Isolation begeben und jüngst keinen Kontakt zur Queen gehabt - und doch sorgt sein Test für Ärger.

Von Cathrin Kahlweit, London

Nun hat es auch den Thronfolger erwischt. Prinz Charles hat sich mit dem Coronavirus angesteckt. Vorerst zeige der 71-Jährige, wie sein Sprecher mitteilte, nur milde Symptome. Es sei nicht festzustellen, wo sich der Prinz angesteckt habe, heißt es, weil er in den vergangenen Wochen eine Vielzahl an Terminen wahrgenommen habe. Allerdings soll es im Umfeld von Charles in Clarence House einige Infizierte geben, weshalb sich der Prince of Wales überhaupt habe testen lassen.

Vorläufig werde sich Charles auf Balmoral Castle in Schottland zurückziehen und dort in Selbstisolation bleiben. Er sei guter Dinge und fühle sich gut. Seine Frau Camilla wurde negativ getestet und müsse sich nun eine Weile von ihrem Gemahl fernhalten.

Dies ist der trockene Kern einer Nachricht, die das Königreich in einige Unruhe versetzen dürfte. Charles ist 71 Jahre alt, gehört also zur Risikogruppe. In den vergangenen Wochen war er, unter anderem, mit der Queen zusammen gewesen, die sich mittlerweile mit ihrem Mann Philip nach Windsor begeben hat, um dort die kommenden Wochen auszuharren. Allerdings soll das letzte persönliche Treffen mit seiner Mutter zwei Wochen zurückliegen, sagt die Pressestelle des Schlosses, also jenseits der statistisch durchschnittlichen Inkubationszeit.

Der Queen gehe es gut, ließ der Palast eilig wissen. Sie halte sich an alle Vorgaben, um eine Ansteckung zu vermeiden. Die Sun deutet derweil an, dass sich Charles bei einem Kontinentaleuropäer angesteckt haben könnte: bei Fürst Albert von Monaco, den er unlängst auf einem Charity-Event in London getroffen habe. Eine späte Brexit-Rache am britischen Royal? Auch unwahrscheinlich, das Treffen war am 10. März.

Charles, grundsätzlich sehr gesundheitsbewusst und als Ökobauer auch gegenüber alternativen Lebensformen aufgeschlossen, hatte sich früh auf die Krise eingestellt und, bis auf unumgängliche Treffen und Besprechungen, vorbildlich verhalten. Er schüttelte keine Hände, verbeugte sich zum Gruß vor anderen Menschen mit der Namaste-Geste und vermied es auch, in persönlichen Kontakt mit dem Zweiten in der Thronfolge, seinem Sohn William zu treten. Harry ist ohnehin weit weg in Kanada.

Ärger gibt es allerdings aufgrund der Tatsache, dass Charles, anders als viele andere Briten mit Symptomen, im Krankenhaus von Aberdeen auf das Virus getestet worden war. Viele Mediziner und Krankenschwestern bräuchten den Corona-Test dringender, um weiterarbeiten zu können, heißt es in wütenden Tweets, Charles sei also bevorzugt behandelt worden. Daily Telegraph und BBC fanden den Corona-Test für Charles "irritierend" bis "ärgerlich". Andere mahnten zur Besonnenheit; immerhin sei der Mann der nächste König.

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Das Wohlergehen der Königsfamilie ist eminent wichtig für die Zuversicht vieler Briten im Königreich; geht es der Queen gut, die immerhin auch schon 93 ist, dann besteht in den Augen vieler Anhänger der Monarchie auch Hoffnung, dass die Krise glimpflich verläuft. Unlängst hatte Elizabeth II. eine schriftliche Botschaft an ihr Volk geschickt und für Solidarität und Zuversicht geworben. Sie bereite, heißt es, auch eine Rede an die Nation vor. Mit dieser wolle sie allerdings noch eine Weile warten und die Mutmach-Ansprache erst halten, wenn die Lage sich dramatisch verschlechtert habe.

Vorerst bleibt es also Premierminister Boris Johnson überlassen, sich mit Mahnung und Information an die Bürger zu wenden. Als er das am Montag tat, schauten sage und schreibe 27 Millionen Briten zu, also fast die Hälfte der Bevölkerung. Am Mittwoch immerhin bestätigte einer der wichtigsten Epidemiologen des Landes, Neil Ferguson vom Imperial College London, im Gesundheitsausschuss des Parlaments, die bisher ergriffenen Maßnahmen und eine bessere Ausrüstung der Krankenhäuser könnten nun tatsächlich dazu führen, dass das Land die Krise bewältigen könne - wenn die soziale Isolierung aufrechterhalten werde.

Die Queen kann also im besten Fall noch eine Weile an ihrer Rede arbeiten.

© SZ/ick/cat
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