Roseanne Barr Twitter und Tabletten - eine toxische Mischung

Erst gefeiert, dann gefeuert: US-Schauspielerin Roseanne Barr hat sich ins Aus getwittert - möglicherweise ist ihr Aussetzer auch durch ein Medikament bedingt gewesen.

(Foto: AP)

Die US-Schauspielerin Roseanne Barr erklärt ihren rassistischen Tweet mit der Wirkung des Beruhigungsmittels Ambien. Vor ihr hatten schon andere unrühmliche Auftritte nach der Einnahme.

Von Larissa Holzki

Bei Sinnen kann Roseanne Barr wirklich nicht gewesen sein. Eine US-Schauspielerin sollte wissen, dass sie eine ranghohe Beraterin eines ehemaligen Präsidenten nicht übel rassistisch beschimpfen darf. Beste Einschaltquoten hin oder eher: Der amerikanische Fernsehsender ABC hat ihre Sitcom prompt abgesetzt. Und Barr? Erklärt ein Beruhigungsmittel zur Ursache für ihren Ausfall. Natürlich wieder auf Twitter.

"Das ist keine Entschuldigung für das, was ich getan (getwittert) habe, aber ich habe schon merkwürdiges Zeug gemacht, wenn ich auf Ambien war - Eier an der Wand zerschlagen um zwei Uhr morgens usw." - zitiert unter anderen der Guardian den Post. Er wurde mittlerweile wieder von ihrer Seite gelöscht. Ambien ist eines der beliebtesten Beruhigungsmittel in den USA. Das mag womöglich auch an der Marketingabteilung des Herstellers liegen. Die Reaktion auf den für das Unternehmen eigentlich kritischen Tweet von Roseanne Barr war jedenfalls schlagfertig.

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"Alle medikamentösen Behandlungen haben Nebenwirkungen, aber Rassismus gehört nicht zu den bekannten Nebenwirkungen der Arzneimittel von Sanofi", twitterte der Pharmakonzern. Mehr als 160 000 Menschen fanden das gut, Zehntausende Menschen verbreiteten die Nachricht weiter. Günstiger kann Werbung für ein Medikament gar nicht sein.

Prominenten ist vom Gebrauch des Mittels allerdings abzuraten. TV-Ikone Barr ist nicht die erste, der das Medikament Probleme bereitet oder die es zumindest mit solchen in Verbindung bringt. Oscar-Gewinner Sean Penn machte kürzlich in einer nächtlichen Fernsehshow einen weggetretenen Eindruck auf Interviewer Stephen Colbert. Er zündete sich nacheinander zwei Zigaretten an und erklärte, er sei nach einem Übernachtflug noch ein bisschen auf Ambien. Eigentlich wollte Penn in der Sendung für seinen neuen Roman werben. Ob sein Auftritt die potenziellen Leser davon überzeugt hat, ist fraglich.

Eine Warnung hätte Barr auch der Fall des amerikanischen Drehbuchautors Paul Schrader sein können, der nach einem mutmaßlichen Ambien-Tweet sogar Besuch von Strafverfolgern bekommen haben soll. Er hatte die kommende Trump-Präsidentschaft als Aufruf zur Gewalt bezeichnet und gefordert, die Menschen sollten bereit sein, Waffen zu tragen. Später bekannte er: "Ein paar Gläser Rotwein, eine halbe Ambien und Gott weiß, was du posten wirst".

Tesla-Gründer Elon Musk bekam vor etwa einem Jahr Ärger, als er auf dem Kurznachrichtendienst schwärmte, die Kombination aus etwas Rotwein, einer Schallplatte und ein bisschen Ambien sei "magisch". Anstatt sich von anderen Nutzern belehren zu lassen, dass es gefährlich sei, unter dem Einfluss des Beruhigungsmittels zu twittern, legte er noch nach: Sobald man den Plattenspieler dazunehme, sei alles gut.

Zu den Nebenwirkungen des Schlafmittels gehören Schlafwandelei, eine eingeschränkte Urteilsfähigkeit, Verhaltensstörungen und Halluzinationen. Zuletzt sorgten Studien für Aufsehen, die ein erhöhtes Sterberisiko für Menschen berichteten, die Schlaftabletten einnehmen - auch solche mit dem Ambien-Wirkstoff Zolpidem wurden getestet. Bei längerfristiger Einnahme macht der Wirkstoff süchtig.

Gefährlich ist auch, dass viele Menschen die Dauer der Wirkung unterschätzen. Wer abends zum Einschlafen Ambien geschluckt hat, könne am Morgen danach noch in seiner Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sein, warnt die amerikanische Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde FDA und fordert, den Wirkstoff niedriger zu dosieren. Was anderenfalls passieren kann, zeigt ein weiteres prominentes Beispiel, das schon ein paar Jahre zurückliegt: So soll der Neffe des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy Ambien eingenommen haben, bevor er einen Autounfall gebaut und den eintreffenden Polizisten eine wirre Geschichte erzählt hat. Belegt ist das allerdings nur durch das Polizeiprotokoll - Patrick J. Kennedy kann sich nach eigenen Angaben an nichts erinnern.

Möglich, dass im Beipackzettel auch bald vor der Internetnutzung unter Ambien-Einfluss gewarnt wird. Dass die Mischung von Twitter und dem Beruhigungsmittel toxisch wirkt, gehört jedenfalls zu den weniger absurden Verschwörungstheorien der Roseanne Barr.

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