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Roman Polanski in Haft:Polanski wusste von nichts

Die Anwälte des Oscar-Preisträgers sagten der Los Angeles Times, dass ihnen keine Information über die geplante Festnahme in der Schweiz vorgelegen habe. Polanski lebt in Paris, hatte die Schweiz aber seit Jahren regelmäßig besucht und besitzt der Los Angeles Times zufolge sogar ein Chalet in der Skiregion von Gstaad. Bevor die Handschellen klickten, war der Regisseur vom Filmfestival Zürich eingeladen worden und sollte am Sonntagabend für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden.

Das Opfer Samantha Geimer hat Roman Polanski die Tat mittlerweile öffentlich verziehen.

(Foto: Foto: AP)

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, dass das Strafmaß gegen Polanski sich nach kalifornischem Recht von 1977 richten würde. Vergewaltigung verjähre weder in den USA noch in der Schweiz, betonte die Schweizer Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf. Das habe die Schweizer Justiz zum Handeln gezwungen.

Polanski könne schon "in wenigen Tagen" dem Gericht in Kalifornien überstellt werden, wenn er seiner Auslieferung zustimme, so der Sprecher des Justizministeriums, Guido Balmer. Umgekehrt könnte sich das Verfahren in der Schweiz "Monate, wenn nicht sogar länger" hinziehen. US-Rechtsexperten zufolge könnte ihm eine Haftstrafe bis zu vier Jahren drohen. Für vorsätzliche Vergewaltigung gebe es keine Verjährung.

Polen bittet Hillary Clinton um Milde

Polanski stammt aus Polen, Mitte der siebziger Jahre nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. Die Verhaftung Polanskis hat aber nicht nur in Polen und Frankreich, sondern weltweit Überraschung und massive Kritik ausgelöst. Der polnische Außenminister Radek Sikorski sagte der polnischen Nachrichtenagentur PAP, er und sein französischer Kollege Bernard Kouchner wollten bei US-Außenministerin Hillary Clinton um Milde bitten. Die französische Regierung zeigte sich überrascht über die Festnahme. Präsident Nicolas Sarkozy wünsche "eine schnelle Lösung der Lage". Polanskis Anwalt Georges Kiejman kündigte an, gegen die Festnahme Widerspruch einzulegen.

Die Verhaftung werde der Schweiz weltweit Schaden zufügen, kritisierte der Verband Filmregie und Drehbuch. Das Festival verschob die geplante Ehrung Polanskis "auf einen unbestimmten Zeitpunkt", wollte ihm aber wie geplant mit einer großen Retrospektive würdigen. Titel: Tribute to Roman Polanski.

Für Unverständnis sorgte die plötzliche Festnahme bei vielen auch deshalb, weil das damalige Opfer dem Regisseur längst öffentlich verziehen hat.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/AP/abis/lala
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