Rom im HochsommerFata Morgana? Nein, am Kolosseum sind wirklich Curlingbahnen

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Seit Juni weist der Colle Oppio neben Basketballfeldern und einem Skatepark auch diese Curlingbahnen auf, allerdings mit ungleicher Frequentierung.
Seit Juni weist der Colle Oppio neben Basketballfeldern und einem Skatepark auch diese Curlingbahnen auf, allerdings mit ungleicher Frequentierung.
Foto: Elisa Britzelmeier

Auf dem Hügel Colle Oppio in Rom kann man neuerdings curlen. Nicht auf echtem Eis, versteht sich, dafür mit Kolosseum-Blick. Doch wer wischt hier bitte bei anhaltenden 35 Grad? Ein kleiner Besuch.

Von Elisa Britzelmeier, Rom

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In den italienischen Nachrichten werden immer noch die Hitzewellen gezählt, angeblich ist man inzwischen bei der sechsten in diesem Sommer angekommen. In der Stadt aber fühlt sich nichts nach Wellen an und alles nach einem einzigen, zähen, heißen Brei. Die Wüstenwerdung Roms ist stellenweise weit fortgeschritten. Man denkt darum erst einmal an eine Fata Morgana, als man die weißen Streifen sieht, das Kolosseum im Hintergrund. Aber für eine Fata Morgana bräuchte es ja Luftschichten mit unterschiedlichen Temperaturen.

Nein, alles ist echt, keine Hitze-Halluzination: Da sind drei weiße Streifen am Boden, je ein roter und ein blauer Kreis darauf. Und das am Rand, das sind tatsächlich Curlingsteine. Auf dem Hügel namens Colle Oppio kann man also curlen. Bei 35 Grad Celsius und mit Blick aufs Kolosseum.

Die Liebe Italiens zum Curling ist spätestens seit den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina im vergangenen Februar bekannt. Da trat das Duo Stefania Constantini und Amos Mosaner wieder an, das 2022 in Peking erstmals Curling-Gold für Italien geholt und vielen Landsleuten diesen ulkigen Wintersport mit dem Gewische auf der Eisbahn überhaupt erst mal nähergebracht hatte. 2026 waren sie in der Heimat die großen Hoffnungsträger, am Ende reichte es immerhin für Bronze. Olympia im Allgemeinen und Curling im Speziellen blieb aber etwas, das vor allem der Norden verfolgte. Das Zentrum Italiens und der Süden dagegen bleiben weiter wintersportfreie Zonen.

Zwei Besuche an der Bahn, beide Male ist sie leer – bis auf junge Männer, die die Spielregeln erklären können

Der italienische Eissportverband will das offensichtlich ändern und hat daher zusammen mit der Sportfördergesellschaft „Sport e Salute“ die Bahn am Colle Oppio aufgestellt. Gleich neben einem Basketballfeld und einem Skatepark, beide ebenfalls mit Kolosseum-Aussicht. Curling-Anlagen gibt es bislang nur in Cortina d’Ampezzo und ein paar anderen Orten in den Bergen. Und auch die am Kolosseum ist keine richtige: Die Bahn ist kürzer, die Steine wiegen zwei Kilogramm statt zwanzig – und natürlich gibt es kein Eis, sondern speziell beschichtetes Plastik.

Es geht auch nicht um eine möglichst korrekte Ausführung, sondern darum, die Idee des Spiels zu transportieren. Spielen können theoretisch alle. Die Bahn kostet keinen Eintritt, bei der Eröffnung im Juni war von Zugänglichkeit und Alltäglichkeit die Rede. Was davon bleibt, nach wochenlangen 35 Grad? Am Spielfeldrand, im einzigen Flecken Schatten, sitzen an diesem Septembertag zwei junge Männer, bereit, die Regeln zu erklären und Hilfestellungen zu geben. Nur fragt sie niemand danach. Die Curlingbahn ist leer, die Steine liegen und warten.

Bei einem weiteren Besuch sieht es ähnlich aus. Vom gut besuchten Basketballplatz nebenan rollt ein Ball herüber, das Dong-Dong des durchgehenden Dribbelns weht über die leere Curlingbahn. Irgendwann kommen zwei Touristen, machen ein Foto, gehen weiter. Doch, doch, versichern die jungen Männer am Spielfeldrand, es würden sich schon einige dafür interessieren und es mal ausprobieren wollen. Eher kurze Spiele, keine langen Partien. Touristen vor allem, klar, so am Kolosseum. Den Strebern von der New York Times ist es gelungen, tatsächlich curlende Menschen anzutreffen. Darunter sogar welche, die in Rom leben. Deren Fazit war: Im Fernsehen sieht alles sehr viel einfacher aus. Muss an der Hitze liegen.

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