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Rockerkrieg in Norddeutschland:Schwerbewaffnete Rocker

Die Polizei hat in Flensburg in einer Kfz-Werkstatt ein Waffenlager ausgehoben. Sie vermutet, dass die Maschinenpistolen, Pistolen und Schlagstöcke aus dem Rockermilieu stammen.

Sie sehen nicht nur hart aus und sind in Drogengeschäfte verstrickt, sie besitzen offenbar auch eine Menge Waffen: Die Polizei hat in Flensburg das bisher größte Waffenlager in der Rockerszene Schleswig-Holsteins ausgehoben. Bei der Durchsuchung einer Kfz-Werkstatt in Flensburg seien Maschinenpistolen, Pumpguns, Schrotflinten, Revolver, Munition und sprengstoffähnliche Substanzen gefunden worden, sagte Detlev Zawadzki, Leiter der Ermittlungseinheit Organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt in Kiel. "Wir sehen klar einen Bezug zur Rockerszene", sagte der Leiter der Abteilung für Zentrale Ermittlungen Jürgen Sievers. Die Waffen waren einsatzbereit und "man hätte, ich sag das jetzt mal so, jederzeit in den Krieg ziehen können".

(Foto: Foto: ddp)

Die weiteren Ermittlungen drehen sich jetzt in erster Linie um die Fragen, wem die Waffen gehören und wer sie benutzen wollte oder eventuell schon benutzt hat, wie Zawadzki sagt. "Wir wissen nicht, ob sie schon einmal für eine Straftat benutzt wurden beziehungsweise für eine Straftat eingesetzt werden sollten."

Der Inhaber der freien Werkstatt in Flensburg wurde festgenommen, ist allerdings bereits wieder auf freiem Fuß. Gegen ihn wird wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz ermittelt, unter das unter anderem Maschinenpistolen fallen. Zu seinen Werkstatt-Kunden zählen unter anderem Mitglieder der Hells Angels, er selbst gehört dem Club nicht an. Zu den Ermittlungen äußerte er sich bisher nicht.

Weitere Kämpfe befürchtet

In Schleswig-Holstein gibt es vier Rockerclubs mit je zehn bis zwölf Vollmitgliedern sowie zahlreichen Symphatisanten: Drei Charter der Hells Angels (Flensburg, Kiel und Alveslohe) sowie ein Chapter der verfeindeten Bandidos in Neumüster. Hinzu kommen offizielle Unterstützerclubs. "Es gab Auseinandersetzungen und wir befürchten weitere Auseinandersetzungen", sagte Zawadzki.

Erst am Wochenende war es in Duisburg zu einer Massenschlägerei und Schüssen zwischen Mitgliedern und Symphatisanten der Banden. Seit dem Wochenende werden die Clubheime in Duisburg und Essen rund um die Uhr überwacht. "Wir werden uns nicht von wild gewordenen Bandidos oder Hells Angels auf der Nase herumtanzen lassen und alle rechtlichen Maßnahmen des Polizei- und Strafrechts ausschöpfen", sagte der Polizeiführer des Gesamteinsatzes in Nordrhein-Westfalen, Hans Volkmann. Es würden weder rechtsfreie Räume noch Selbstjustiz geduldet.

In einigen Städten - so auch in Hamburg und Düsseldorf - sind die Hells Angels verboten. Zu der Diskussion, die Rockervereinigung auch in Schleswig-Holstein zu verbieten, sagte Innenminister Klaus Schlie (CDU): "Einen Verein verbietet man oder man lässt es bleiben. In dem einen wie in dem anderen Fall redet man jedoch nicht vorher öffentlich darüber."

Nach den schweren Rocker-Krawallen im Ruhrgebiet ist ein für den 14. November geplantes Treffen Hunderter Bandidos in Dortmund abgesagt worden. Der Vertrag für die Anmietung eines Partyraumes in der Innenstadt sei in beiderseitigem Einvernehmen aufgelöst worden, sagte Veranstalter Yves Gredecki. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass die Örtlichkeit für die Feier zum zehnjährigen Bestehen der deutschen Bandidos-Abteilung nicht geeignet sei. Ob sich die Bandidos nun andere Räume für ihr Treffen suchen wollten, sei ihm nicht bekannt, erklärte Gredecki.

© sueddeutsche.de/dpa/AFP/AP/abis/aho
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