Stilkritik: „Nassliebe“:Rishi Sunak im Regen

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Rishi Sunak trat mit einer wichtigen Nachricht, aber ohne Regenschirm vor die Presse. (Foto: Reuters)

Männer im Kampf gegen die Elemente: Dem britischen Premier regnet es vor Nr. 10 Downing Street ordentlich rein. Wie bewahrt man da seine Würde?

Von Martin Zips

„Things Can Only Get Better“, war im Hintergrund aus den Lautsprechern linker Demonstranten zu hören, als der konservative britische Premier Rishi Sunak im strömenden Regen den vorgezogenen Wahltermin bekannt gab. Da war Sunaks Sakko schon nass, sehr nass. Eine Sky-Kommentatorin meinte später, während seiner Ansprache habe eher dieser Eindruck hier gegolten: „Things can only get wetter.

Dass zwischen „trocken“ und „nass“ eigentlich nur „feucht“ liegen kann, darauf wird hierzulande ja gerne und völlig zu Recht hingewiesen. Auch im Englischen ist die Steigerungsform „wet, wetter, wettest“ nicht unumstritten. Für Beobachter der Ansprache allerdings, die Sunak da vor seinem Amtssitz im wirklich schlimmsten Regen hielt, ergab der Komparativ schon Sinn. Sunak wirkte zwar noch nicht ganz so nass wie der britische Filmkomödiant Peter Sellers, wenn er mal wieder in einen Swimmingpool gefallen war, er wirkte allerdings schon deutlich wetter als zum Beispiel Sir Alec Guinness in der staubigen Rolle des Prinzen Faisal in „Lawrence of Arabia“.

Das Gegenteil von Putin: Rishi Sunak, Premierminister von Großbritannien, verzichtet auf einen Nässeschutz. (Foto: dpa)

Und es wurde nasser und nasser, das Sakko des britischen Premiers. Immerhin ließ Sunak vor Nr. 10 Downing Street nicht noch andere neben sich im Regen stehen – so wie man es im Jahr 2021 Armin Laschet mal böswillig unterstellte. Vor allem bei Autokraten kommt derlei tatsächlich vor, etwa 2018 nach dem Fußball-WM-Finale im Moskauer Luschniki-Stadion, wo allein Putin der präpotente Parapluie aufgespannt wurde, seinem lieben Freund Infantino aber nicht. Und schon interessant: Zwar blieb Sunaks Frisur, offenbar wegen ihrer besonderen Imprägnierung, auch ohne Regenschutz weiter formschön. Sein Auftritt aber hatte dennoch etwas recht Begossenes.

Und wie also behält der Anzugträger seine Würde, wenn the things, wie gerade wieder, wetter und wetter werden? Ganz einfach: Er muss es so machen wie Gene Kelly im Film „Singin’ in the Rain“. Er muss den Kampf mit der Natur suchen, in hohem Bogen in die Pfützen springen und dem nassen Element auf immer trotzen. Denn letztlich ist nur der ein Mann, der sich vom Sakko lösen kann.

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