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Rheinbad:Ein Jahr nach Tumulten: Anklage gegen Jugendlichen

Rheinbad Düsseldorf

Nach wiederholten Tumulten im Düsseldorfer Rheinbad gibt es dort inzwischen einen Sicherheitsdienst und Videoüberwachung.

(Foto: David Young/dpa)

Drei Mal wurde das Düsseldorfer Rheinbad im vergangenen Sommer geräumt. Jetzt muss ein Mann 600 Euro Strafe zahlen, ein Jugendlicher kommt vor Gericht. Er hatte eine Angestellte mit dem Tod bedroht.

Knapp ein Jahr, nachdem Tumulte im Düsseldorfer Rheinbad bundesweit für Aufsehen gesorgt haben, hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Jugendlichen erhoben. Der damals 16-Jährige soll am Tag der dritten Räumung zu einer Bediensteten des Bades gesagt haben, er klatsche sie an die Wand, wenn er sie privat treffe. Danach soll er der Frau laut Anklage gedroht haben, sie zu töten. Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, wurde Anklage wegen Bedrohung erhoben. Der Prozess nach Jugendstrafrecht soll am 16. September vor dem Düsseldorfer Amtsgericht beginnen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde ein zweites Verfahren gegen einen damals 27-Jährigen mit einem Strafbefehl rechtskräftig beendet. Der Mann muss 30 Tagessätze á 20 Euro - also 600 Euro - zahlen, nachdem er bei der dritten Räumung des Bades eine Polizistin als "dreckiges Stück Scheiße" beleidigt hatte.

Die Anzeigen gegen den damals 16-Jährigen und den damals 27-Jährigen vom 26. Juli waren die einzigen Straftaten, die während der Tumulte von der Polizei aufgenommen worden waren. Das Düsseldorfer Rheinbad war Ende Juni zwei Mal und am 26. Juli 2019 noch einmal mit Unterstützung der Polizei geräumt worden.

Räumung löst politische Debatte aus

Über den ersten Vorfall hieß es später in einem Bericht der Stadtverwaltung, dass es zunächst einen Streit zwischen Jugendlichen und einer Familie gegeben habe, das Personal rief die Polizei zur Hilfe. Später hätten etwa 300 Personen Mitarbeiter attackiert, Stühle ins Wasser geworfen und den Sprungturm gestürmt. Bei dem zweiten Vorfall, einen Tag später, wurden Polizisten von etwa 100 Jugendlichen verfolgt und beschimpft, als sie fünf junge Störer aus dem Bad brachten. Über den dritten Vorfall am 26. Juli hieß es im damaligen Polizeibericht, erneut habe eine größere Gruppe Jugendlicher randaliert. Es soll zu Beleidigungen und verbalen Bedrohungen gekommen sein.

Die Umstände vor allem der letzten Räumung hatten eine politische Debatte ausgelöst, bei der unter anderem die mutmaßliche Herkunft der beteiligten Personen eine Rolle spielte. Ein Polizeisprecher hatte damals gesagt, augenscheinlich habe es sich bei der größeren Gruppe "um 50 bis 60 Jugendliche und junge Männer mit Migrationshintergrund nordafrikanischen Typus" gehandelt. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) brachte in einem Interview "ausländerrechtliche Konsequenzen" ins Spiel. Wenig später revidierte Geisel seine Aussagen und bezeichnete die dritte Räumung nach Sichtung von Überwachungsvideos als "überzogen".

Der jetzt angeklagte Jugendliche ist nach Angaben der Polizei in Deutschland geboren und hat Migrationshintergrund. Der damals 27-Jährige, der die Polizistin beleidigt hatte, ist Deutscher. Das Freibad im Düsseldorfer Norden führte noch vergangenen Sommer Videoüberwachung, Security und Ausweiskontrollen ein. Bedingt durch die Corona-Pandemie hat das Bad diese Saison erst Ende Mai eröffnet. Besucher müssen vorher online ein Ticket reservieren und die Zahl an Besuchern ist eingeschränkt. Zu vergleichbaren Vorfällen wie 2019 ist es in den vergangenen Wochen laut Polizei nicht gekommen.

© SZ/dpa/afis
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