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Reutlingen:Messer-Angriff am Reutlinger Busbahnhof

  • Im Zentrum von Reutlingen hat ein 21-Jähriger auf offener Straße eine Frau mit einem Dönermesser getötet und fünf weitere Menschen verletzt.
  • Der mutmaßliche Täter wurde kurz darauf festgenommen, es handelt sich laut Polizei um einen Asylbewerber aus Syrien.
  • Offenbar war ein Streit eskaliert, einen terroristischen Hintergrund vermuteten die Ermittler nicht.

Die Karlstraße ist die zentrale Straße in der Stadtmitte von Reutlingen: Vom Busbahnhof zieht sie sich vierspurig Richtung Kaufhof. Am Sonntagabend ist sie in Rechtecke unterteilt, die jeweils mit Flatterbändern abgesperrt sind: Ein Mann hat wenige Stunden zuvor mit einem Hackmesser eine Frau getötet, dazu wie es zunächst hieß zwei Menschen verletzt - die Tatorte sind verteilt über mehrere Hundert Meter. An der Absperrung redet eine Frau auf ihre Freundin ein: "Steffi! Keine Bilder von Toten online stellen!" Am späten Abend ist dann klar, dass die Zahl der Verletzten noch höher liegt: Insgesamt fünf Menschen mussten nach der Tat am Abend im Krankenhaus behandelt werden.

Genauso unübersichtlich wie die örtliche Lage ist zunächst auch das Motiv der Tat. Man habe keine Kenntnis auf einen islamistischen oder terroristischen Hintergrund, sagte Polizeihauptkommissar Christian Wörner vom Polizeipräsidium Reutlingen am frühen Abend. Man gehe derzeit von einer Beziehungstat aus, erklärte er. Um 16.25 Uhr seien mehrere Notrufe eingegangen, so die Polizei. Es habe geheißen, dass sich eine Frau und ein Mann gestritten hätten. Wohl in der Nähe des Busbahnhofes wurden zahlreiche Passanten und wartende Passagiere Augenzeugen, wie der Mann das Opfer mit einem Hackmesser tötete.

Reutlingen

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(Foto: Google Earth)

Der mutmaßliche Angreifer war polizeibekannt

Den Angaben zufolge schlug der Mann mit dem Messer wild um sich und zertrümmerte unter anderem eine Scheibe. Zur Person des Tatverdächtigen teilte die Polizei am Abend mit, dass es sich "um einen 21-jährigen Asylbewerber aus Syrien" handele. Er sei polizeibekannt und wegen anderer Gewalttaten aufgefallen.

Polizeibeamte hätten den Mann sieben Minuten nach der Tat in Nähe des Tatorts festgenommen - offenbar mit der Hilfe eines aufmerksamen Bürgers. Der habe den flüchtenden Angreifer mit seinem Wagen bewusst angefahren, bestätigte ein Polizeisprecher. Der Täter stürzte daraufhin zu Boden, Polizisten konnten ihn festnehmen. Der Fahrer, der Sohn eines Dönerbuden-Inhabers ist, hatte die Bluttat zuvor beobachtet. Es war wohl der weiße BMW, der abends immer noch an der Karlstraße, steht. Auf der Heckablage liegt eine Baseball-Kappe, am Wagen ist die Spurensicherung zugange.

Nach der Attacke lag der 21-Jährige auf der Intensivstation. "Er ist derzeit nicht vernehmungsfähig und wird von der Polizei bewacht", hieß es am späten Abend von der Polizei. Er sei bei dem Zusammenstoß mit dem Auto schwer verletzt worden, Lebensgefahr bestehe aber nicht.

Offenbar eine Beziehungstat

Zeugen berichteten der Süddeutschen Zeitung, dass sich Täter und Opfer kannten, sie hätten in dem denselben Imbiss-Lokal zusammengearbeitet. Das Opfer soll eine polnische Serviererin gewesen sein. Ein Kollege berichtete der Stuttgarter Zeitung, der Täter sei in die Frau verliebt gewesen. Die Bluttat im Zentrum der 112 500 Einwohner zählenden Stadt, die rund 40 Kilometer von Stuttgart entfernt ist, löste bei Augenzeugen zunächst Panik aus. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht mehr, teilte das Rathaus zwei Stunden nach der Tat mit. Die Stadtverwaltung habe einen Führungsstab eingerichtet und unterstütze die Polizei bei ihrer Arbeit. Zahlreiche Einwohner hatten sich zuvor aus Sorge über Notruf bei der Polizei gemeldet. Sie standen unter dem Eindruck des Amoklaufs von München und waren von der Tat in ihrer Stadt stark verunsichert.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat nach der Bluttat das rasche Eingreifen der Polizei gelobt. "Der Täter konnte Gott sei Dank gleich festgenommen werden, sodass von ihm keine weitere Gefahr ausgeht", sagte der Minister. Er stehe mit den Ermittlungsbehörden in Kontakt: "Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der getöteten Frau und bei den Verletzten."