Viel hat nicht mal die Yellow Press bisher herausgefunden über das Leben des Briten, der als Tourist 9165 Tage in Thailand blieb, obwohl er nur 30 Tage hätte bleiben dürfen. Die örtliche Polizei hat ihn nun aufgegriffen, wie der Independent schreibt. Aber was machte der Mann in der Zwischenzeit, in diesem 25 Jahre andauernden Urlaub? Um eine Antwort darauf zu erhalten, hat die SZ gut dokumentierte Ereignisse mit den Mitteln der Vorstellungskraft abgeglichen.
Tag 30. Als sein Visum gerade endet, am 8. Februar 2000, nimmt der Mann am Hotelpool einen vorerst letzten Tequila Sunrise ein, er blinzelt in die Sonne – bis er abends im Hotelfernsehen in der BBC davon erfährt, dass über seine Heimat „frontale Regengebiete“ ziehen, begleitet von „böigem Wind“. Er entscheidet, den Koffer wieder auszupacken. Einige Zeit vergeht, bis ihm an Tag 2605 ein aus London angereister Tourist zuträgt, dass man in der Heimat inzwischen nicht mehr vor Pubs rauchen dürfe. Der Mann nimmt dies, an einer Piña Colada nippend, zur Kenntnis und befindet, dass er dann genauso gut in die Pubs von Thailand gehen kann, wo das Rauchen auch verboten ist. Wieder verstreicht Zeit, und als der 3850. Tag fast endet, schaltet der Mann nach Längerem den Hotelfernseher ein. Er sieht, wie sich bei einem Spiel der Fußball-EM 2010 der Ball eindeutig vor der Torlinie befindet und nicht dahinter, der Schiedsrichter aber gibt den Deutschen das Tor. Das Spiel endet für England 1:4. Dem Mann ist klar, was für eine griesgrämige Gesellschaft seine Landsleute nun sein würden. Er geht lieber schwimmen im lauwarmen Meer. Tag 6074. Der Animateur des Hotels überreicht dem Mann ungefragt eine alte Ausgabe des Guardian. Gelangweilt blättert er darin, stößt irgendwann auf die Nachricht, dass sein Land die EU verlassen werde. Sein Nacken fühlt sich gleich wieder so verspannt an. Am Pool weiß der Masseur, was zu tun ist.
9165 Tage sollten so (oder so ähnlich) verstreichen, dann wird der 60-Jährige, der inzwischen Frau und Kind in Thailand hat, von der Polizei aufgegriffen und nach England abgeschoben. Bei seiner Festnahme, das zeigt ein Foto, trägt er Badelatschen.
Weitere Folgen der Kolumne „Bester Dinge“ lesen Sie hier.

