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Reliquien: Kreuznägel Jesu:Eine Frage des Glaubens

Gegen diese Reliquie würden sogar Grab- und Schweißtücher verblassen: Filmemacher Simcha Jacobovici behauptet, die Kreuznägel Jesu aufgespürt zu haben - Experten sind skeptisch.

Zwei alte Nägel sind es, rostig und gekrümmt. Präsentiert werden sie als Sensation. Der israelische Filmemacher Simcha Jacobovici hält sie für die Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Eine Reliquie wäre das, gegen die sogar Grab- und Schweißtücher verblassen könnten. Doch bewiesen hat Jacobovici zunächst nur, dass man auch mit Funden wuchern kann.

Glaubt, die echten Kreuznägel Jesu gefunden zu haben: der israelische Filmemacher Simcha Jacobovici.

(Foto: AFP)

Die wundersame Geschichte dieses Fundes beginnt seiner Darstellung zufolge im Jahre 1990: Bei Straßenbauarbeiten in Jerusalem wurde in jener Zeit ein Grab mit Sarkophag entdeckt, dessen Inschriften darauf hindeuteten, dass dies das Familiengrab des Kaiphas sein könnte. Das war jener jüdische Hohepriester Jerusalems, der in den Evangelien als der Mann gezeichnet wird, der maßgeblich für die Verurteilung und Auslieferung des Heilands an die Römer verantwortlich war. In der Grabstätte fanden die Archäologen auch noch Münzen, eine Öllampe, ein Parfümfläschchen - und die fünf Zentimeter langen "römischen Nägel". Manches davon wanderte ins Museum, nur die Nägel verschwanden.

Vor knapp drei Jahren aber nahm Jacobovici ihre Spur auf - und davon handelt sein neuester Film, der pünktlich zu Ostern fertig geworden ist und über die Feiertage unter anderem auf dem History Channel gezeigt werden soll. Aufgespürt hat er die Nägel schließlich in einem Labor in Tel Aviv, und überdies fand er auch noch eine Erklärung, warum sie als Grabbeigabe ausgerechnet bei Kaiphas gelegen haben sollen. Nach der Kreuzigung nämlich habe der Hohepriester eine Läuterung erlebt und erkannt, dass Jesus tatsächlich der Messias gewesen sei. Seine Nachfahren könnten es also für passend erachtet haben, ihm die hochheiligen Nägel mit auf den Weg in die Ewigkeit zu geben.

Es ist nicht das erste Mal, dass Jacobovici, der für seine Dokumentationen auch schon einen Emmy gewann, die biblische Geschichte neu schreiben will. So hat der 58-jährige Filmemacher - ein orthodoxer Jude, der in Israel geboren wurde, aber die meiste Zeit seines Lebens in Kanada verbrachte - vor vier Jahren zusammen mit dem Oscar-Preisträger James Cameron einen Film über "Das verlorene Grab Jesu" gedreht. Präsentiert wurde den staunenden Zuschauern darin eine Art Sippengrab für 35 Personen, das vor etwa 30 Jahren im heutigen Jerusalemer Industrievorort Talpiot entdeckt worden war. Aufgrund der Namensinschriften folgerten die Filmer messerscharf, dass hier Jesus zusammen mit seiner Frau Maria Magdalena und dem gemeinsamen Sohn Jehuda ihre letzte Ruhestätte gefunden hätten.

Damals wie heute haben Experten laute Zweifel angemeldet. Was die Nagel-Probe angeht, werden in israelischen Medien bereits Archäologen zitiert, die nicht einmal glauben wollen, dass die Fundstücke aus dem Tel Aviver Labor tatsächlich dem Kaiphas-Grab entstammen - und wenn, dann hätten sie auch ganz profan zum Einritzen der Inschriften verwendet werden können. Auch Jacobovici hat eingeräumt, dass er "nicht 100 Prozent sicher" behaupten könne, dass die präsentierten Nägel vom Kreuz Jesu stammten, schließlich habe kein Zettel daran gehangen, der das bestätigt. Aber seine "Beweise" hält er für ausreichend, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Für den Filmerfolg dürfte ein bisschen Rummel um die Nägel sicher gut sein. Und letztlich geht es ja sowieso um Glauben und nicht um Wissen.