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Religion und Corona:Maria im Home-Office

Leuchtendes Vorbild im Abstandhalten: Die Marienstatue in Međugorje.

(Foto: Imago)

Hunderttausende Pilger strömten zuletzt nach Međugorje in Bosnien-Herzegowina, um zu hören, was die Gottesmutter zu sagen hat. Nun hat eines ihrer "Medien" erklärt: Die Jungfrau spricht nicht mehr.

Von Martin Zips

Wunder gibt es immer wieder, im Fall der Marien-Erscheinungen von Međugorje (Bosnien-Herzegowina) gab es sie in den vergangenen 39 Jahren weit mehr als 40 000 Mal. Im Juni 1981 soll dort die Gottesmutter gleich sechs Kindern und Jugendlichen erschienen sein - und obwohl die ehemaligen Schafhirten längst erwachsen sind, behaupten sie auch heute noch, regelmäßig Besuch von ihr zu bekommen. Bei Mirjana zum Beispiel schaute die Jungfrau zuletzt einmal pro Monat vorbei. Nun, ausgerechnet an Mirjanas 55. Geburtstag am 18. März, sagte die Gottesmutter der Seherin, sie werde von jetzt an nur noch jährlich zu ihr sprechen.

Ja gut, könnte man jetzt mit Papst Franziskus sagen, so eine Gottesmutter ist ja auch keine "Leiterin eines Telegrafenamtes". Aber, diese Frage muss theologisch schon erlaubt sein: Warum cancelt Maria ausgerechnet in Corona-Zeiten ihren regelmäßigen Besuchstermin bei der studierten Wirtschaftswissenschaftlerin sowie Mutter zweier Töchter (Maria und Veronica)? Wird die Gottesmutter dieser Tage nicht ganz besonders gebraucht? Nicht nur in Bosnien-Herzegowina? Könnte Mirjana, wie mittlerweile jeder Dorfpfarrer, nicht wenigstens einen Livestream einrichten?

Die Antwort dürfte ganz einfach sein: In Zeiten von Mundschutz und Social Distancing möchte Maria einfach nicht, dass sich jemand wegen ihr ansteckt. Lourdes und Altötting haben ja auch schon dicht gemacht. Man stelle sich da bitte mal vor, in Međugorje würde ausgerechnet jetzt wieder die Marienstatue zu leuchten beginnen. Zuletzt hatten deshalb 15 000 Pilger den Ort besucht (bis ein Chemiker auf die Statue geschmiertes Strontiumaluminat als Ursache für das heilige Scheinen nachwies). Komisch nur, dass drei weitere ehemalige Hirtenkinder versichern, ihnen erscheine Maria auch jetzt noch. Sogar täglich.

Dem Ziel, endlich ein auch vom Vatikan anerkannter Wallfahrtsort zu werden, dürfte die Sache Međugorje jedenfalls nicht gerade näher bringen. Hier: gewaltige Mengen von Pilgern auf der Suche nach Trost. Dort: Bischöfe, die von Betrügern sprechen, Sektenbildung und Schisma. Und der Papst, der meint, dass in Međugorje wohl alles Mögliche spricht, nur halt leider nicht "die Mutter Jesu".

Schade eigentlich, denn, wie gesagt, gerade sie hätte man dieser Tage ganz dringend gebraucht.

© SZ/nas
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