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Regis-Breitingen:Weiterer Folter-Fall in sächsischem Gefängnis

Folter-Skandal im Jugendgefängnis: In Regis-Breitingen soll ein weiterer Häftling von seinen Mitgefangenen misshandelt worden sein - Monate nach dem ersten Vorfall.

Der Folter-Skandal in der sächsischen Jugendvollzugsanstalt Regis-Breitingen ist laut einem Bericht umfangreicher als bislang bekannt. Das Magazin Focus berichtete am Samstag vorab von einem weiteren Fall von Häftlings-Misshandlung in dem Jugendgefängnis. Er soll sich im September vergangenen Jahres ereignet habe.

Hinter den Mauern der Jugendhaftanstalt Regis-Breitingen sollen Häftlinge von ihren Mitgefangenen gefoltert worden sein.

(Foto: Foto: ddp)

Zu den drei Beschuldigten habe auch jener 16-jährige Häftling gezählt, der bereits im Mai 2008 einen Mitgefangenen mehrfach gequält und beinahe ermordet haben soll. Offenbar habe der als äußerst brutal geltende Jugendliche erneut Gewalt gegen einen Mitgefangenen ausüben können, ohne dass die Gefängnisbeamten oder die Anstaltsleitung etwas davon bemerkten, schreibt das Magazin.

Die Staatsanwaltschaft Leipzig habe wegen erneuten Falls im September Anklage wegen Nötigung und gefährlicher Körperverletzung erhoben. Die drei Beschuldigten sollen einen Mithäftling aus seiner Zelle gezerrt und kopfüber in eine halbvolle Mülltonne geworfen haben. Als das Opfer sich abduschen wollte, hätten die Täter den jungen Mann mit Schrubbern und Scheuermilch traktiert.

Bereits im April und Mai 2008 sollen damals zwischen 15 und 24 Jahre alte Häftlinge einen 18-jährigen Mithäftling massiv geschlagen und gefoltert haben. So sollen sie ihm mit heißem Wasser Verbrühungen zugefügt, ihn mit einem Besenstiel geschlagen und schließlich ihn zu erdrosseln versucht haben. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat deshalb Anklage gegen insgesamt neun Beschuldigte eingereicht.

Am Dienstag hatte der sächsische Justizminister Geert Mackenroth (CDU) auf einer Pressekonferenz über den Fall berichtet, den Fall im September aber nicht erwähnt. Mackenroth hatte Fehler bei der Unterbringung der Häftlinge eingeräumt, und erklärt, nach den Übergriffen im April und Mai seien Nachbesserungen umgesetzt worden.

Der Fall erinnert an den Foltermord in der nordrhein-westfälischen Haftanstalt Siegburg. Dort hatten im November 2006 drei Insassen einen 20 Jahre Mithäftling stundenlang gequält, vergewaltigt und ihn dann erhängt. Damit wollten sie einen Selbstmord des Opfers vortäuschen. Der Haupttäter wurde zu 15 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Die beiden anderen Täter erhielten 14 Jahre Haft beziehungsweise zehn Jahre Jugendstrafe.

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