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Reformen im Vatikan:Wird die Synode über ein Ende des Zölibats diskutieren?

Aber viele Reformen sind stecken geblieben in Chaos und schlechter Planung. Mitglieder des Gremiums aus neun Kardinälen, das den Papst bei den Reformen unterstützen soll, äußern sich frustriert - es werde dort viel geredet und wenig entschieden. Vor allem die Reform der Vatikanfinanzen kommt nicht recht voran.

Kardinal George Pell, des Papstes Finanzchef, muss sich in Australien vor Gericht wegen Kindesmissbrauchs verantworten und ist beurlaubt. Im Juni trat der Wirtschaftsprüfer Libero Milone zurück und erklärte, er sein durch eine Intrige dazu gezwungen worden; immer wieder landen geheime Dokumente aus dem Reformprozess bei Journalisten. Auch andere Umstrukturierungen wie die der vatikanischen Medien sorgen für Unruhe.

Und zunehmend gibt es Widerstand von konservativen Bischöfen und Kardinälen, für die der Papst die Wahrheit der Kirche an den Zeitgeist verkauft. Vier Kardinäle äußerten vor mehr als einem Jahr ihre Zweifel ("dubia"), ob das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia", dem zufolge in Ausnahmefällen Geschiedene, die wieder geheiratet haben, zur Kommunion zugelassen werden können, noch der Lehre der Kirche entspreche. Der Papst - ein Irrlehrer? Treibende Kraft der Kritik ist der amerikanische Kurienkardinal Leo Burke, den Franziskus erst entmachtete und dann im September wieder an die Apostolische Signatur berief, das oberste Kirchengericht.

Ans Aufhören denkt der Papst offenbar nicht

Burke ist ein intelligenter Netzwerker. Wie viele Kollegen ihn unterstützen, ist unklar - es gibt keine organisierte Opposition in der katholischen Kirche, und nicht immer sind die Fronten klar: Es gibt Kardinäle, die die Kurienreform gut finden, nicht aber des Papstes theologische Auffassungen - und umgekehrt. Die nächste Bischofsversammlung im Oktober 2018 wird da hoch spannend. Es geht um Jugend und Glaube und um die Frage, wie mehr Priester und Ordensleute gewonnen werden können. Viele Bischöfe aus Deutschland, Westeuropa und auch Lateinamerika wünschen sich eine offene Diskussion mit offenem Ausgang, auch über den Zölibat. Viele aus Osteuropa, Afrika oder Nordamerika wünschen, dass die alte Lehre und Praxis bleibt. Die Abstimmungen dort werden auch Abstimmungen über den Kurs des Papstes sein.

Eins immerhin zeigt der Zorn des Papstes, der sich in der vorweihnachtlichen Ansprache entlud: Ans Aufhören denkt er offenbar nicht. Nach seiner Wahl hatte er gesagt, dass er sich vorstellen könne, nach fünf Jahren im Amt zurückzutreten. Von dieser Haltung scheint der 81-Jährige abgerückt zu sein. Er würde seinem Nachfolger eine halb fertige Kurienreform hinterlassen und einen innerkirchlichen Richtungsstreit. Abgesehen davon, dass dann zwei emeritierte Päpste durch die vatikanischen Gärten spazieren würden. Franziskus dürfte 2018 alles versuchen, seinen Kurs unumkehrbar zu machen, auch durch die Ernennung neuer Kardinäle, die dann einmal seinen Nachfolger wählen dürfen. "Solange er kann, wird er weitermachen", sagt ein Insider.

© SZ vom 29.12.2017/vbol
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