Reform des Sexualstrafrechts Männlich dominierter Blick auf das Strafrecht

Auch im Fall Gina-Lisa Lohfink waren sich viele juristische Laien, die das Video gesehen haben, sicher, eine Straftat zu sehen. Denn sie hat doch "Nein" gesagt.

Man darf nicht vergessen, dass unser Strafrecht sehr alt ist. Es entstand Ende des 19. Jahrhunderts und wurde von Männern gemacht. Juristinnen, Rechtswissenschaftlerinnen, weibliche Abgeordnete gab es nicht. Das wirkt bis heute fort, auch wenn inzwischen Frauen an der Weiterentwicklung des Strafrechts in jeder Beziehung aktiv beteiligt sind.

Wie wirkt sich dieser männlich dominerte Blickwinkel auf das Strafrecht aus?

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Aus männlicher Perspektive mag es seltsam anmuten, wenn sich ein Mensch bei einem schweren Angriff wie einer Vergewaltigung nicht entschieden körperlich wehrt. Ob biologisch bedingt oder anerzogen: Männer setzen sich im allgemeinen eher als Frauen gegen Übergriffe körperlich zur Wehr, sie verhalten sich anders. Sie können sich vielleicht schwer vorstellen, dass man bei einem Angriff in Schockstarre verfällt und selbst dann Angst hat und Übergriffe duldet, wenn der zudem meist körperlich überlegene Gegner nicht unmittelbar schwerste Drohungen ausspricht.

Die Gegner von "Nein heißt Nein" argumentieren, dass ein verbales Nein vor Gericht schwer nachweisbar sei. Sie fürchten außerdem Falschbeschuldigungen.

Für mich ist das ein typischer Abwehrmechanismus.

Inwiefern?

Andere Vorwürfe sind vor Gericht ebenfalls schwer zu beweisen - auch nach derzeitiger Rechtslage. Das betrifft zum Beispiel die schwere Drohung gegen Leib und Leben, mit deren Hilfe der Geschlechtsverkehr erzwungen wird. Auch hier sind es nur Worte, es gibt keine weiteren Zeugen, und das Opfer zeigt keine körperlichen Spuren, die auf Unfreiwilligkeit hindeuten.

Dass es gerade durch "Nein heißt Nein" zu einem Anstieg an Falschbeschuldigungen kommt, denke ich nicht. Schon heute gehen die Menschen von einer Vergewaltigung aus, wenn die Frau vernehmlich "Nein" sagt. Frauen zeigen solche Übergriffe auch jetzt schon an und sind dann sehr überrascht, wenn sie erfahren, dass ein "Nein" nicht ausreicht.

Weil das gegen ihr natürliches Rechtsempfinden verstößt?

Stellen Sie sich die jetzige Rechtslage doch einmal übertragen auf andere Straftatbestände vor: Wenn Sie in einen Laden gehen, einfach ein Buch aus dem Regal nehmen und damit verschwinden, dann ist das ein Diebstahl. Der Verkäufer muss sich nicht dazwischen werfen, Sie nicht mit Gewalt versuchen daran zu hindern, es ist und bleibt ein Diebstahl, auch wenn nichts und niemand das Buch gegen die Wegnahme schützt.

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Sie werden keinen einzigen anderen Straftatbestand finden, der vom Geschädigten fordert, ein geschütztes Rechtsgut noch einmal extra zu verteidigen und Widerstand zu leisten. Aber genau so ist es bislang bei der sexuellen Selbstbestimmung, und das muss sich dringend ändern.