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Rechtsstreit um Affen-Selfie:Wie bewusst war sich der Affe seines Verhaltens?

Inzwischen wird sein Fall vor einem Berufungsgericht in San Francisco verhandelt, das in den kommenden Monaten eine Entscheidung treffen will. Gerade erst waren Anhörungen. Slater saß zuhause in England und schaute die Übertragung. Eine Reise zum Prozess - zu teuer.

Das Gericht beschäftigt sich vor allem damit, wie die umstrittenen Bilder im Dschungel entstanden sind, wie bewusst sich der Affe seines Verhaltens war.

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David Slater sagt: "Ja, der Affe hat den verdammten Auslöser gedrückt. Aber das hat er ja nicht einfach so getan." Dann erzählt er, wie er auf die Insel Sulawesi reiste, wo die Schopfmakaken in einem Reservat leben. "Ich habe mich ihnen für einige Tage angeschlossen, um sie aus der Nähe fotografieren zu können", sagt er. "Als sie Vertrauen gefasst haben, interessierten sich einige von ihnen für das Klicken der Kamera." Er habe das Gerät auf einen Stativ montiert und die Affen mit Futter angelockt. "Bis sie begannen, Selfies zu knipsen."

"Unglaubhaft", entgegnet Peta. Krishna Singh ist Justiziar beim deutschen Peta-Ableger, auf Fragen zum Fall antwortet er ausführlich. Es sei klar, "dass Naruto die Fotos selbst aufgenommen hat, und zwar absichtlich, zielgerichtet und ohne Hilfe".

Die Wahrheit kennen letztlich nur der Fotograf und der Affe. Naruto lebt in einem indonesischen Reservat und hat sich bislang nicht geäußert. Dafür hat Primatologin Antje Engelhardt Brisantes zu sagen. Die deutsche Wissenschaftlerin kennt Naruto seit seiner Geburt, sie forscht seit mehr als 20 Jahren über Makaken, auch auf Sulawesi. Peta fragte sie deshalb vor Prozessbeginn als Rechtsbeistand für Naruto an, wie ihn sonst Kinder vor Gericht haben. Gern, sagte sie, weil das Glück dem Verhängnis oft zum Verwechseln ähnlich sieht. "Ich dachte, das sei das Beste für Naruto." Heute bereut sie das.

Ihr Vertrauen in Peta sei enttäuscht worden, sagt die Primatologin

In der Zusammenarbeit mit Peta habe sie sich mehr und mehr unwohl gefühlt. Sie wägt jedes Wort ab. Dass Peta klagefreudig ist, weiß sie selbst am besten.

Ihr Vertrauen sei enttäuscht worden, formuliert sie vorsichtig, die Situation sei eskaliert. Im Mai 2016 zog sie sich aus dem Prozess zurück. Streng genommen fehlt Peta seither die Legitimation, für Naruto zu prozessieren, damit könnten die Chancen der Organisation sinken.

Antje Engelhardt klingelte nach der Eskalation bei dem amerikanischen Peta-Anwalt, mit dem sie zusammengearbeitet hatte, "um die Dinge zu klären". Der rief die Polizei und ließ sie in Handschellen wegen Belästigung und Hausfriedensbruch abführen. Seither steht auch sie vor Gericht. "Das Verfahren läuft und kostet viel Geld."

Weil in den USA nicht automatisch der Verlierer eines Prozesses die Kosten trägt, rechnet David Slater längst nicht mehr mit einem Happy End. Er arbeitet nun als Tennislehrer. Und gerade, sagt er, frage er in der Nachbarschaft herum, ob jemand zum Hunde-Ausführen gebraucht wird. Er würde gern wieder mit Tieren arbeiten.

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