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Rebellengruppe "Leuchtender Pfad":Peruanische Armee befreit Geiseln nach 25 Jahren

39 people rescued from Sendero Luminoso after up to 30 years in c

Geiseln werden vom Militär aus der Gewalt der Rebellengruppe "Sendero Luminoso" befreit.

(Foto: dpa)
  • Die Armee in Peru hat Dutzende Geiseln aus der Hand einer Guerillagruppe befreit.
  • Einige der 39 Personen waren über Jahrzehnte in Gefangenschaft.
  • Bei den Entführern handelt es sich um eine maoistische Rebellenorganisation, die in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren in einen Bürgerkrieg mit der Regierung verwickelt war.

Vierteljahrhundert in Gefangenschaft

Einige der Geiseln waren ein Vierteljahrhundert in Gefangenschaft - so lange, dass sie ihre Befreier zunächst nicht als Befreier empfanden, sondern Angst vor ihnen hatten: In einer Militäroperation haben peruanische Streitkräfte 39 Menschen gerettet, die in der Hand einer linksgerichteten Guerillatruppe waren. Wie die örtliche Zeitung La República und unter anderem der britische Guardian berichten, wurden die Geiseln - 13 Erwachsene und 26 Kinder - vom Militär in einer dicht bewaldeten Bergregion aufgegriffen und mit Hubschraubern ausgeflogen.

Die älteste Geisel war nach Armeeangaben eine 70-jährige Frau, die vor Jahrzehnten aus einer bäuerlichen Gemeinschaft entführt wurde. Die jüngste Geisel war ein einjähriges Kind. Die Guerillas hatten die Leute festgehalten und ab einem gewissen Alter gezwungen, in einem landwirtschaftlichen Produktionscamp zu arbeiten.

Guerillagruppe "Leuchtender Pfad"

Bei der Guerillatruppe handelt es sich um die maoistische Gruppe "Sendero Luminoso" - zu deutsch: leuchtender Pfad. Die EU stuft sie als Terrororganisation ein. Die "Senderos", wie sie abgekürzt genannt werden, entstanden unter Führung des Philiosophieprofessors Abimael Guzmán Ende der Sechzigerjahre im Zuge der Studentenbewegungen und radikalisierten sich schnell.

Anfang der Achtzigerjahre gingen die Führer der Gruppe in den Untergrund und bekämpften die rechtsgerichtete Regierung. Es entwickelte sich ein jahrelanger Bürgerkrieg, in dessen Verlauf mehr als 70 000 Menschen getötet wurden. 1992 schlug der autokratisch regierende Präsident Alberto Fujimori die Rebellen nieder.

Die Regierung entwaffnete daraufhin Tausende Sendero-Kämpfer. Im Rahmen einer Amnestieregelung gingen viele der Rebellen straffrei aus, wenn sie der Regierung Informationen über die Organisation lieferten. Doch eine kleine Gruppe unter Führung der Brüder Victor und Jorge Quispe Palomino spaltete sich ab und kämpfte weiter. Das Geld beschafften sich die Rebellen engeblich durch Drogengeschäfte. Wie La República schreibt, ist das Gebiet, in dem die Geiseln jetzt aufgegriffen wurden, ein Zentrum des Kokapflanzen-Anbaus.

Ehemalige Geisel führte die Armee zum Versteck

Wie es in dem Zeitungsbericht weiter heißt, seien einige der Kinder in Gefangenschaft geboren, nachdem Rebellen weibliche Geiseln vergewaltigt hätten. Andere Kinder stammten aus Bauernfamilien. Die Eltern hätten aus Angst vor Repressionen das Kidnapping nicht bei den Behörden gemeldet.

Dass die 39 Gefangenen jetzt aus der Hand der Rebellengruppe befreit wurden, verdanken sie einer ehemaligen Geisel, der vor etwa einem Monat die Flucht gelang. Der Mann führte die Armee zu dem Produktionscamp der Senderos.