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Nach der Hinrichtung von Troy Davis:"Die US-Justiz hat versagt"

Frankreich, die EU und Amnesty International haben scharf gegen die Hinrichtung von Troy Davis protestiert. Auch aus Deutschland kommt Kritik. Trotz aller Gnadenapellle hatten die USA die Todesstrafe vollstreckt.

Die Hinrichtung von Troy Davis hat weltweit Bestürzung und Empörung ausgelöst. Die Europäische Union "bedauert zutiefst" die Hinrichtung des Afroamerikaners in den USA. Die EU habe mehrfach gefordert, die Todesstrafe angesichts "ernster und überwältigender Zweifel" an dem Schuldspruch des 42-Jährigen nicht zu vollstrecken, sagte die Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton in Brüssel. Die Europäische Union lehne die Todesstrafe ab und fordere einen weltweiten Hinrichtungsstopp.

U.S. Supreme Court Rejects Last Appeal For Troy Davis

Unterstützer von Troy Davis weinen, nachdem der oberste Gerichtshof der USA den Antrag der Verteidigung im letzten Moment abgelehnt hatte.

(Foto: AFP)

Auch Frankreich sprach sich gegen die Hinrichtung des Gefangenen aus. Zwei Drittel aller Staaten weltweit verzichteten mittlerweile auf diese Art der Strafe, erklärte das französische Außenamt. Der Fall Davis mache deutlich, "dass der Kampf für die weltweite und endgültige Abschaffung der Todesstrafe weitergeführt werden muss". Der frühere französische Justizminister Robert Badinter, der das Gesetz zur Abschaffung der Todesstrafe in Frankreich 1981 eingeführt hatte, nannte Davis' Hinrichtung "eine Niederlage für die Menschheit".

In Deutschland äußerte sich der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck "entrüstet und wütend" über die Hinrichtung von Troy Davis in den USA. "Das US-Justizsystem hat in dieser Frage auf brutale Weise versagt", erklärte er am Donnerstag in Berlin. "Einen Menschen aufgrund zweifelhafter Beweise zu töten, verstößt eklatant gegen die freiheitlichen Grundwerte der USA, gegen die Menschenrechtspakte und gegen das geltende Völkerrecht."

Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warf der US-Justiz Versagen vor. Der 42-jährige sei "mit der Giftspritze getötet worden, obwohl es große und gut begründete Zweifel an seiner Schuld gab", erklärte der USA-Experte der deutschen Amnesty-Sektion, Sumit Bhattacharyya. Dieser Fall zeige, dass das Justizsystem der USA "seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird".

Hinrichtung dreimal verschoben

Bis zuletzt hatten die Anwälte des 42-Jährigen für einen Aufschub der Exekution gekämpft. Als letztes Mittel riefen weniger als ein halbe Stunde vor dem Hinrichtungstermin den obersten US-Gerichtshof in Washington an. Die neun Richter des Supreme Court beriet mehrere Stunden, bevor sie den Antrag der Verteidigung ablehnte. In der Zeit warteten Hunderte Menschen gebannt vor dem Gefängnis. Sie protestierten mit Schildern und Sprechchören, riefen immer wieder "Todesstrafe? Zur Hölle nein!" und "Befreit Troy Davis", wie Fernsehbilder zeigten. Auch Davis' anwesende Familienmitglieder hofften bis zuletzt. Die Hinrichtung war in der Vergangenheit dreimal gerichtlich verschoben worden.

Troy Davis soll 1989 einen jungen weißen Polizeibeamten umgebracht haben. Die meisten Hauptzeugen hatten seit dem Mordprozess im Jahr 1991 ihre Aussage widerrufen oder abgeändert. Zudem tauchten neue Zeugen auf, nach deren Angaben sich ein anderer Mann zu der Tat bekannt hat. Die Tatwaffe war seinerzeit nie gefunden worden. Es gab auch keine physischen Beweise wie Genspuren. Bis zum letzten Moment beteuerte der Verurteilte Davis seine Umschuld.