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Razzia in "Flatrate"-Bordellen:"Letzte Bastion der Sklaverei"

Einträgliches Geschäft: Die Polizei hat 200.000 Euro aus dem "Flatrate"-Bordell in Fellbach beschlagnahmt. Unterdessen wird Kritik an dieser Form der Prostitution lauter.

Das Geschäft mit dem Billig-Sex in Flatrate-Bordellen scheint zu brummen. Alleine in dem Bordell in der schwäbischen Kleinstadt Fellbach bei Stuttgart sind laut Angaben der Nachrichtenagentur AP mindestens 200.000 Euro an Bargeld beschlagnahmt worden. Die 25 Jahre alte Betreiberin des Bordells, ein weiteres Mitglied der Geschäftleitung sowie zwei Beschäftigte sitzen in Untersuchungshaft.

Grell leuchtet die Werbetafel des Fellbacher Flatrate-Bordells "Pussy-Club". Die Betreiberin sitzt derzeit in Untersuchungshaft.

(Foto: Foto: dpa)

Zwei Tage nach der Großrazzia gegen mehrere "Flatrate"-Bordelle hat die Staatsanwaltschaft Stuttgart aber noch keine konkreten Hinweise auf die weiteren Hintermänner der Etablissements. Oberstaatsanwalt Andreas Thul-Epperlein sagte auf einer Pressekonferenz in Fellbach: "Wir ermitteln von unten nach oben." Die Staatsanwaltschaft prüfe, wer im großen Stil an der Sache verdiene. Thul-Epperlein sagte, es bestehe der Verdacht, dass für die Prostituierten keine Sozialversicherungsabgaben bezahlt worden seien. Der Schaden alleine in Fellbach für die Sozialkassen belaufe sich auf rund 200.000 Euro.

"Menschenverachtendes Denken"

Die Einrichtung in Fellbach sowie ein Haus in Heidelberg waren mit Verweis auf hygienische Mängel am Sonntag geschlossen worden. Etwa 700 Polizisten und zehn Staatsanwälte hatten zuvor insgesamt vier Bordelle durchsucht, die mit Sex nach Belieben zum Festpreis werben. Es handelt sich um Betriebe in Schönefeld bei Berlin sowie in Wuppertal, Fellbach und Heidelberg. Es bestehe der Verdacht, dass die Bordellbetreiber ausländische Prostituierte beschäftigt hätten, sagte der Oberstaatsanwalt.

Nach Angaben von Fellbachs Oberbürgermeister Christoph Palm (CDU) gibt es in Deutschland etwa 40 bis 50 Flatrate-Bordelle. Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete forderte erneut eine gesetzliche Handhabe, um solche Bordelle verbieten zu können. "Das Konzept, ein Mal zu bezahlen, dafür unbegrenzte sexuelle Dienstleistungen einzufordern, kann nur auf Basis menschenverachtenden Denkens funktionieren."

Angesichts der Razzia äußerte der Verein gegen Sextourismus und Menschenhandel "Solwodi" scharfe Kritik an dieser Form der Prostitution. Solwodi-Chefin Lea Ackermann sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Das ist das absolut Entwürdigendste, was auf dem Markt ist." Die betroffenen Frauen würden wie Essen und Trinken vermarktet und konsumiert: "Das ist die letzte Bastion der Sklaverei in Europa."