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Raumfahrt:Läuft

Galileo-Satellitensystem

Rund um die Erde wimmelt es von Satelliten. Die Simulation zeigt die 30 geplanten Galileo-Satelliten, die bis zum Jahr 2020 ins All geschossen werden sollen.

(Foto: Pierre Carril/dpa)

Das 13 Milliarden Euro teure Galileo-System startet - endlich. Es soll dafür sorgen, dass Europa bei der Navigation nicht mehr vom amerikanischen GPS-System abhängig ist. Noch aber sind längst nicht alle Satelliten im All.

Der Start ist um Jahre verspätet, die Kosten sind sowieso explodiert - aber jetzt geht es endlich los: Das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo hat am Donnerstag mit dem ersten Routine-Betrieb begonnen. Bis zum Jahr 2020 soll das System vollständig eingerichtet sein. Damit will sich Europa unabhängig vom amerikanischen GPS-System machen.

Viel werden die meisten vorerst nicht davon merken: Nur der spanische Smartphone-Hersteller BQ und die chinesische Firma Huawei verbauen bereits Chips, die das Galileo-Signal nutzen können. Wer ein solches Handy hat, kann künftig noch genauer navigieren, statt auf rund fünf Meter wie GPS ortet Galileo auf ein bis zwei Meter genau. Technisch könnten beide Systeme weit mehr. Aber die Genauigkeit im Zentimeterbereich ist im GPS-System für Militär-Anwendungen reserviert. Bei Galileo wird sie extra kosten und ist noch nicht verfügbar. Schon jetzt liefern die Satelliten indes extrem genaue Zeitsignale, mit denen etwa Banktransaktionen oder Stromnetze präziser gesteuert werden können.

Noch sind jedoch nicht alle Satelliten installiert; wenn gerade keiner in Sicht ist, fällt das Signal aus. 30 die Erde umspannende Satelliten sind geplant, 18 sind im All, elf einsatzbereit: Vier wurden eben erst gestartet und sind noch in der Testphase, einer ist schon ausgefallen, zwei weitere sind wegen eines Fehlers beim Start auf unbrauchbaren Bahnen unterwegs.

Dass der Start sich von 2008 auf 2016 verschob, liegt jedoch nicht nur an solchen Rückschlägen, sondern auch an Streitereien zwischen EU-Regierungen und unter den beauftragten Firmen. Auch die Kosten stiegen von geplanten drei Milliarden Euro auf 13 Milliarden bis 2020.

30 Satelliten sind geplant, 18 sind bereits im All, nur elf aber sind einsatzbereit

Nun sind die Beteiligten trotz allem ziemlich stolz, dass Galileo die Arbeit aufnimmt. Zumal das GPS-System sich für viele längst anfühlen mag wie ein Naturphänomen, aber es ist eben keines: "Die Navigation ist so wichtig geworden, dass es absolut notwendig ist, ein unabhängiges, ziviles System zu haben", sagt Veit Lechner, Projektmanager für Galileo bei der Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR). Die Tochter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) betreibt Galileo gemeinsam mit einem italienischen Unternehmen. In Häuserschluchten, wo nur ein Teil der GPS-Signale ankommt, könnten die zusätzlichen Galileo-Satelliten zudem einen Genauigkeitssprung bringen.

Wer noch nicht das passende Handy hat, kann Galileo übrigens trotzdem bei der Arbeit beobachten: In klaren Nächten kann man die Satelliten mit dem Teleskop verfolgen.