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Jahresbericht:Drogenbeauftragte: Rauchen größtes vermeidbares Gesundheitsrisiko

Steuereinnahmen durch Raucher im zweiten Quartal gesunken

Raucher haben ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe.

(Foto: Jens Kalaene/dpa)

127 000 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Tabakkonsum. Von 2021 an sollen weitere Maßnahmen zum Thema Tabakentwöhnung greifen.

Die Bundesdrogenbeauftragte Daniela Ludwig will auch angesichts der Corona-Pandemie Gesundheitsgefahren durchs Rauchen stärker ins Visier nehmen. "Jedes Jahr versterben auch ohne Corona 127 000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums", sagte die CSU-Politikerin mit Blick auf Deutschland am Donnerstag zur Vorlage ihres Jahresberichts. Sie verwies auf mehrere wissenschaftliche Belege dafür, dass Raucher ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe haben.

Trotz insgesamt rückläufiger Zahlen beim Tabakkonsum hierzulande sei man daher lange nicht am Ziel. "Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko, gerade in dieser Zeit."

Ludwig sagte, sie plane im neuen Jahr weitere Maßnahmen zum Thema Tabakentwöhnung. Dann sollen auch erste zusätzliche Werbeverbote in Kraft treten, die vor allem Jugendliche vor Gesundheitsgefahren schützen sollen. Ein im Herbst beschlossenes Gesetz untersagt vom 1. Januar 2021 an Kinowerbung fürs Rauchen, wenn ein Film für unter 18-Jährige freigegeben ist. Schluss sein soll dann auch mit dem Verteilen von Gratis-Proben außerhalb von Fachgeschäften etwa bei Musikfestivals und von Tabakprodukten als Gewinne bei Preisausschreiben. Von 2022 an soll dann auch schrittweise ein Reklameverbot auf Plakatwänden umgesetzt werden.

Jahresbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung

Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung

(Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Ludwig betonte, dass Unterstützungsangebote für Suchtkranke trotz verschärfter Corona-Beschränkungen aufrechterhalten werden müssten. "Elementar wichtig ist, dass Beratungsstellen, niedrigschwellige Hilfsangebote und Suchtkliniken für alle Bedürftigen offen bleiben." Der Bedarf sei größer denn je, die Versorgung mit Ersatzstoffen für Opiatabhängige gesichert. Mehr Hilfe als bisher bräuchten auch Kinder von Suchtkranken: "Viele von ihnen sind nahezu auf sich allein gestellt. Wir dürfen niemanden vergessen", sagte Ludwig.

Die Pandemie stelle das Suchthilfesystem vor eine Jahrhundertaufgabe, sagte die Drogenbeauftragte weiter. Arbeitsschwerpunkte seien aktuell der "Ausbau lebensrettender Maßnahmen wie Substitution oder die bundesweite Verbreitung des Nasensprays Naloxon gegen Atemstillstand bei Überdosierungen". Damit sollen Todesfälle durch den Konsum illegaler Drogen verhindert werden.

© SZ/dpa/epd/mkoh/nas
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