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Rassismusdebatte in den USA:Zusammensetzung der Polizei repäsentiert nicht die Bevölkerung

Für die Missstände in Cleveland machte Holder schlechte Ausbildung und Ausrüstung, mangelhafte Richtlinien sowie ein unzureichendes Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung verantwortlich. Das Justizministerium führt in der Untersuchung auf, dass Polizisten immer wieder Schusswaffen, Pfefferspray, Elektroschockpistolen und ihre Fäuste unangemessen eingesetzt hätten.

Die Gewalt habe sich auch gegen psychisch Kranke und andere hilfsbedürftige Menschen gerichtet. Außerdem hätten Beamten häufig eine mangelhafte und gefährliche Einsatztaktik angewandt, die auf den Einsatz von vermeidbarer Gewalt hinausgelaufen sei.

Was der Report auch enthüllt: Die Zusammensetzung der Polizei repräsentiert nicht die Bevölkerung. Während in Cleveland 53 Prozent der Bürger schwarz sind, sind nur 25 Prozent der Polizisten Afroamerikaner. Ein Missverhältnis, wie es sich in vielen US-Städten findet. In Ferguson waren im August, als Michael Brown starb, sogar nur drei von 53 Polizisten schwarz, obwohl der Anteil der Schwarzen an der Bevölkerung etwa 75 Prozent beträgt. In New York allerdings liegt der Anteil der schwarzen Polizisten mit knapp 17 Prozent nur wenig niedriger als der Bevölkerungsanteil von 22,6 Prozent.

Eine Minderheit, die eine Mehrheit werden könnte

Die Suche nach den Ursachen für die vielen tödlich eskalierten Polizeieinsätze wird lange dauern. In New York, Ferguson oder Cleveland arbeiten Untersuchungskommissionen daran, um die Vorfälle aufzuarbeiten und Lehren zu ziehen. Doch vielen Bürgern dauert das zu lange. Zu Tausenden gehen sie dieser Tage auf die Straße. In Boston, Chicago, Seattle, Atlanta, Pittsburgh und eben in New York. Es sind vor allem junge Leute, die kommen, Schwarze wie Weiße. "Die-in" nennen sie es, wenn sie sich mitten auf die Straße legen und sich tot stellen - eine Protestform, die absichtlich an den Studentenproteste der sechziger Jahre erinnert. Auch damals entstand aus einzelnen Demonstrationen eine Massenbewegung, die das ganze Land erfasste.

Auch in den sozialen Medien formiert sich der Protest. Unter dem Hashtag #crimingwhilewhite hatten auf Twitter zunächst weiße US-Bürger berichtet, wie sie sich kleinere Vergehen schuldig gemacht haben, die von der Polizei allerdings nicht geahndet wurden. Teilweise wurden mehr als 600 Tweets pro Minute abgesetzt. Inzwischen gibt es unter dem Hashtag #alivewhileblack eine Antwort darauf. Schwarze US-Bürger berichten, weil sie von Polizisten gedemütigt, unfair behandelt und körperlich angegriffen wurden. Auch dort laufen ständig neue Tweets ein, die auf die Diskrimnierung von Schwarzen im Rechtssystem der USA aufmerksam machen.

Allerdings schreibt die Washington Post, dass die Haltung, die auch bei weißen Twitter-Nutzern und bei weißen Demonstranten in den Städten deutlich wird, nicht zwingend der Mehrheitsmeinung in dieser Bevölkerungsgruppe entsprechen müsse. So sagten etwa 80 Prozent der Schwarzen, dass der Fall Michael Brown für sie mit Rassismus zusammenhänge. Während unter den Weißen nur 37 Prozent dieser Meinung seien. Es könnten bald mehr werden.

© Süddeutsche.de/ghe/afis
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