Rassismus-Debatte um Tarantinos "Django Unchained" Sklavenhaltung fürs Regal

Wie zu "Inglorious Basterds" gibt es auch zum aktuellen Tarantino-Film "Django Unchained" wieder eine Actionfiguren-Kollektion. Teile der schwarzen Community in den USA rufen jetzt zum Boykott der Plastikpuppen auf. Sie warnen davor, die Schrecken der Sklaverei zu verharmlosen.

Das Jahr ist noch jung - trotzdem wird schon gemunkelt, dass "Django Unchained" am Ende wohl zu den beliebtesten Filmen 2013 zählen wird. Der Inhalt in Kurzfassung: Ein Sklave (Jamie Foxx) wird durch einen Kopfgeldjäger (Christoph Walz) befreit und macht sich auf den Weg, seine geliebte Frau (Kerry Washington) den Fängen eines brutalen Plantagenbesitzers (Leonardo DiCaprio) zu entreißen. Nebenbei verdingt er sich als Kopfgeldjäger-Gehilfe.

Wie aus anderen Tarantino-Filmen gewohnt, lässt der entfesselte Django dabei eine Menge Blut und anderes Körpermaterial spritzen.Wie ebenfalls gewohnt, erscheint das einigermaßen gerechtfertigt - der Mann hat schließlich eine Mission. Und das Kinospektakel soll auch ein blutiges Stück Geschichte aufarbeiten: die Zeit der Sklavenhaltung in den USA.

Mit eben diesem Teil der Geschichte argumentieren Mitglieder der schwarzen US-Community jetzt gegen Tarantino. Der Ärger gilt nicht dem Film, sondern einer Reihe Actionfiguren, die der Regisseur als Sammlerstücke für "Django"-Liebhaber herstellen ließ. Für 299 Dollar ist die Gesamt-Kollektion seit Dienstag bei Amazon zu haben. Gedacht ist sie für Fans ab 17.

Die Figuren "verharmlosen die Schrecken der Sklaverei und das, was Afroamerikaner erlebt haben", sagt Najee Ali, Direktor der Interessengruppe "Project Islamic Hope", der Nachrichtenagentur Associated Press. Tarantinos neuer Film habe ihm zwar gefallen, die Puppen seien aber keine geeignete Art der Kommerzialisierung. Durch sie würden die Vorfahren der Schwarzen in den USA lächerlich gemacht. Mehrere afroamerikanische Organisationen haben deshalb bereits zum Boykott der Plastikpuppen aufgerufen.

Es ist wieder Zeit für einen Rachefeldzug

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Bereits vor dem Filmstart in den USA war Tarantino von prominenter Seite heftig angegriffen worden. Kollege Spike Lee warf ihm vor, die Geschichte der Sklavenhaltung in den Vereinigten Staaten in Form eines Spaghetti-Western zu erzählen, sei eine Beleidigung für seine schwarzen Ahnen. Auch dass in dem Film häufig das Wort "Nigger" gebraucht werde, sei respektlos.

Tarantino wies Lees Kritik scharf zurück. In einem Interview sagte er, "Wenn du einen Film über Sklaverei machst (...) dann wirst du einige Dinge hören und sehen, die hässlich sind." Alles andere sei eine Lüge und würde die Verhältnisse harmloser darstellen, als sie tatsächlich gewesen seien. "Man soll die Brutalität sehen, mit der die Amerikaner die schwarzen Sklaven behandelt haben".

Tarantino vergleicht Sklaverei mit Nazi-Verbrechen

Wie ernst er den Stoff nehme, den er in "Django" verarbeitete, versuchte der Regisseur vor der Premiere in Berlin bei einer Pressekonferenz zu erklären. Auf die Frage, ob die Sklaverei in den USA mit den Naziverbrechen in Deutschland zu vergleichen sei, antwortete er mit "Ja". Amerika sei für zwei Holocausts in seinem Land verantwortlich, "für die Ausrottung der indianischen Ureinwohner und für die Versklavung von Afrikanern, Jamaikanern und Westindern in der Zeit des Sklavenhandels."

Zum Boykottaufruf gegen die Django-Actionfiguren hat sich Tarantino noch nicht geäußert. Auch vom Spielzeughersteller NECA, der sie Puppen in Zusammenarbeit mit dem Filmstudio Weinstein Co herstellt, gab es bisher keinen Kommentar.