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Rapper Sido attackiert ORF-Moderator:Schläge für die Schlagzeile

Er setzt Provokationen gezielt ein, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Dabei belässt es Sido nicht bei Verbalattacken, wie er jetzt am Rande einer ORF-Show schlagkräftig unter Beweis gestellt hat. Krawall in jeglicher Form ist die Erfolgsstrategie des Berliner Rappers.

Der Schlag selbst ist im Video nicht gut zu sehen, nur das Wortgefecht davor und der Aufprall danach. "Hurensohn! Zum Glück bist du so alt, dass deine Mutter nicht mehr lebt, du Hurensohn! Weil du bist ein Hurensohn. Deine Mutter, deine Mutter, deine Mutter ist eine Hure!" Das brüllt der deutsche Rapper Sido, 31, am vergangenen Freitagabend nach der Live-Ausstrahlung der österreichischen Castingshow "Die große Chance".

Drei Sekunden später liegt der ORF-Moderator Dominic Heinzl, 48, auf dem Bühnenboden, offenbar niedergestreckt durch einen Schlag - nicht mit der Faust, nur mit der flachen Hand, sagt Sido anschließend, aber da ist es zu spät. Der Sender schmeißt den Deutschen aus der Jury der Show, die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Körperverletzung. Und die Aufregung ist groß - so groß wie immer, wenn einer der sogenannten deutschen Gangster-Rapper mal wieder gegen seine vermeintliche Resozialisierung anpöbelt.

Sido, den viele bis heute für einen Vertreter der Jugendkultur halten, ist in Wahrheit ein alter Showhase. Sein "Weihnachtssong", in dem er maskiert und zur Melodie von "Jingle Bells" durch Berlin marodiert, kam vor fast zehn Jahren auf den Markt. Es folgte der "Arschficksong", dessen Fast-Indizierung für die Karriere des Musikers und seines damaligen Labels, Aggro, mindestens so wichtig war wie das wohlwollende Schaudern der medialen Öffentlichkeit.

Smarter als der Rest

Die meisten der damaligen Rap-Größen sind wieder in der Versenkung verschwunden. Zum einen, weil Neukölln nicht Compton ist, und die Leier vom ach so harten Gangsterleben in der Hauptstadt irgendwann fad wurde. Zum anderen, weil es den meisten der breitbeinigen jungen Männer dann doch erheblich an Talent mangelte.

Nicht so Sido. Paul Würdig, so heißt er bürgerlich, war immer schon smarter als der Rest. Der unter tatsächlich harten Bedingungen aufgewachsene Sohn einer alleinerziehenden Mutter hat früh kapiert, welche Rolle einem wie ihm auf der medialen Bühne zugedacht ist. Ein schönes Beispiel dafür war die kurz vor der Bundestagswahl 2009 ausgestrahlte und von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützte Pro-Sieben-Show "Sido geht wählen".

Darin sah man den Rapper mit Volksvertretern wie Frank-Walter Steinmeier und Renate Künast durch Berlin spazieren und Fragen stellen wie: "Wer ist Ihre Gang?" Das kecke Format wurde unter anderem für den Grimme-Preis nominiert.

Zuletzt war es etwas ruhig geworden um Sido. Auch im Fernsehen war er eigentlich nur noch im ORF zu sehen. Bis zum vergangenen Freitag. Seither wird auch in Deutschland wieder über ihn berichtet, sogar auf Titelseiten darf er erzählen, warum er "den Ösi umgehauen" habe (Heinzl habe ihn provoziert). Er bereut das natürlich, sagt er. Auf Facebook hat Sido erklärt, dass ihm alles leidtue und dass man "mit Fäusten keine Probleme lösen kann".

Vom Problem der nachlassenden Aufmerksamkeit mal abgesehen.