Rapper Bushido und die Berliner Clans

Jahrelang will Bushido "wie im Wachkoma" gelegen haben, in seiner Verbindung zum kriminellen Familienclan Abou-Chaker sei er sich vorgekommen "wie ein Leibeigener".

Von Julia Huber

Feste Umarmung: Rapper Bushido (rechts) mit Arafat Abou-Chaker.

(Foto: Getty Images)

Was ist passiert?

Rapper Bushido hat in einem Interview darüber gesprochen, dass er 14 Jahre lang zu einem kriminellen Clan in Berlin gehört habe - dem arabisch-stämmigen Abou-Chaker-Clan. Anfangs sei das Oberhaupt Arafat Abou-Chaker noch Geschäftspartner und Freund gewesen, berichten Bushido und seine Frau Anna-Maria Ferchichi im Gespräch mit dem Stern. Später habe der Musiker sehr unter dem Einfluss des Familienclans gelitten. "Er bestimmte unser gesamtes Leben, das ganze Denken meines Mannes", sagt seine Frau Anna-Maria Ferchichi über den Chef des Clans. Dem Bericht zufolge habe die Großfamilie die Hälfte von Bushidos Einnahmen bekommen. Bushido sagt, er habe "nichts zu melden" gehabt, Abou-Chaker habe "einfach alles entschieden".

Warum interessiert uns das?

Bushido hat mit seiner Nähe zu dem Clan immer wieder kokettiert. In seiner Biografie aus dem Jahr 2008 erzählt er blumig, wie der Clan-Chef ihn aus einem Vertrag mit dem Plattenlabel Aggro Berlin holte. Bushido wollte den Vertrag nicht mehr, umso dankbarer war er seinem Helfer. "Alle krassen Geschichten, die in Berlin passieren, haben immer etwas mit der Familie Abou-Chaker zu tun", schreibt Bushido weiter in seiner Biografie. Gerüchte kamen auf, dass er ebenfalls in die Geschäfte des Clans verwickelt sein könnte. Doch als der Stern 2013 meldete, er habe einen Beweis für die Verbindung gefunden - Bushido habe dem Clan eine Generalvollmacht erteilt - zogen sowohl Bushido, als auch Arafat Abou-Chaker gegen den Stern vor Gericht.

Was erzählt Bushido nun?

Bushido scheint keine gute Zeit mit dem Clan verbracht zu haben. "Ich lag all die Jahre wie im Wachkoma", sagt er. Selbst in sein Familienleben habe der Clan-Chef sich immerzu eingemischt. Bushido erzählt: "Es hieß, ich sei Arafats Leibeigener, sein Hund." Die Großfamilie habe insgesamt mehrere Millionen Euro von ihm kassiert. Im Gegenzug habe das Clan-Oberhaupt höchstens gelegentlich gute Deals für Bushido ausgehandelt: "Wenn wir zum Beispiel eine Küche wollten, die 60 000 Euro kostete, dann konnte Arafat die auf 30 000 Euro runterhandeln, auf welche Art auch immer."

Und jetzt?

Bushido hat die 14 Jahre andauernde Verbindung nach eigener Aussage inzwischen beendet. Im Interview schildern er und seine Frau einige spielfilmreife Begegnungen - voller Beschimpfungen, Drohungen und sogar Bushidos Angebot einer 2,5-Millionen-Euro-Ablösezahlung. Dazu soll es am Ende nicht gekommen sein. Was Bushido letztlich aus den Fängen der Abou-Chakers half, war ausgerechnet ein anderer Clan: Bushidos neuer Beschützer ist nun offenbar Ashraf Rammo. Dessen Clan ist mit 500 Mitgliedern doppelt so groß wie die Abou-Chaker-Gruppe. Bushido schwärmt vom neuen Clanoberhaupt Rammo: "Ashraf ist höflich, elegant, verständnisvoll, er ruft nicht ständig an, er lässt dich in Ruhe."

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