Süddeutsche Zeitung

Rätselhafter Tod des "Bierbarons":Zwischen Hopfen und Bangen

Er brachte einen Hauch von Hollywood nach Frankfurt: "Bierbaron" Bruno H. Schubert liebte das Leben und die Frauen. Doch nun gibt es böse Gerüchte um das Ableben des Millionärs im vergangenen Jahr.

Marc Widmann

89 Jahre lang sah es so aus, als habe er das Glück abonniert. Als sei Bruno H. Schubert einfach auf die Schokoladenseite des Lebens gefallen. Den "Bierbaron" taufte ihn die Boulevardpresse. Er richtete nach dem Krieg die Frankfurter Brauerei Henninger wieder auf und wurde reich, als er 1979 seine Anteile verkaufte.

Danach warf sich Bruno Schubert ins gesellschaftliche Leben: Er wandelte sich zum spendablen Mäzen, er schmiss in seiner Frankfurter Villa legendäre Tafelrunden für die Honoratioren der Stadt, um Menschen zusammenzubringen, wie er gerne erzählte. Er brachte Glamour in die Stadt am Main, auch mit seinem Umweltpreis, dem höchstdotierten der Republik. Noch heute erzählen Weggefährten, wie er zur Preisverleihung viele seiner hübschen Ex-Freundinnen einlud und alle friedlich um einem Tisch herum saßen.

Richtig tragisch war erst das Ende

Ein Leben wie im Film war das, der reiche Bierbaron spendierte Frankfurt das Flair von Hollywood. Richtig tragisch war erst das Ende von Bruno Schubert. Jetzt ermittelt sogar die Frankfurter Staatsanwaltschaft, ob der Ehrenbürger und Träger des Bundesverdienstkreuzes im vergangenen Oktober eines natürlichen Todes starb.

Man führe ein "Todesermittlungsverfahren", bestätigte ein Behördensprecher am Mittwoch. Die Ermittler vernehmen Zeugen, sichten Dokumente und versuchen herauszufinden, wie der 90-Jährige vor einem knappen Jahr tatsächlich starb. An Altersschwäche, hieß es damals offiziell. Aber Gerüchte gab es ja schon länger in seinem Umfeld: Dass da vielleicht jemand nachgeholfen habe, dass man ihm falsche Medikamente verabreicht habe oder ihn gar absichtlich verdursten ließ.

Nach SZ-Informationen erhebt seine frühere Privatsekretärin schwere Vorwürfe. Sogar das Wort Exhumierung ist nun zu hören in Frankfurt. Es wäre das letzte Kapitel in einem Drama, das im Sommer 2009 begann.

Der Millionär ist damals 89 Jahre alt, ein Greis, und doch verliebt er sich noch einmal. In einer Bar, so erzählt man in seinem Umfeld, trifft er auf die 64 Jahre jüngere Meharit Kifle, eine hübsche Äthiopierin mit belgischem Pass, gerade mal 25 Jahre alt. Sie sieht aus wie ein Model. "Meharit ist meine große Liebe, sie ist alles für mich", verkündet er einem Klatschblatt, "schade, dass ich schon so alt bin und sie nicht schon viel eher kennengelernt habe."

Dass es Liebe war, daran zweifelt in Frankfurt niemand. Nur daran, dass sie beidseitig war.

"Er wurde systematisch isoliert"

Vom Moment der Hochzeit an, so berichten es ehemalige Vertraute des Millionärs, änderte sich viel. Der alte Mann ist auf einmal selbst für Freunde kaum noch zu sprechen, auch wenn die es am Telefon 30 Mal probieren. "Er wurde systematisch isoliert", sagt Manfred Niekisch, Direktor des Frankfurter Zoos und Vorsitzender des Kuratoriums der Bruno-H.-Schubert-Stiftung, die seinen Umweltpreis vergibt.

Er erinnert sich an das letzte Telefonat mit Schubert, bei dem er noch durchgestellt wurde. "Uns zwei kann man nicht auseinanderbringen", habe der alte Mann gesagt. Tags darauf sei ein "bitterböser Brief" gekommen, in dem Schubert aus heiterem Himmel die Freundschaft aufkündigte. Statt einer Unterschrift war nur ein Unterschriften-Stempel verwendet, wie meist. Niekisch bezweifelt heute, dass der alte Mann den Brief tatsächlich selbst formuliert hat.

Erbitterte Schlacht um das Erbe

Neben der neuen Ehefrau tritt plötzlich auch ein Frankfurter Anwalt auf den Plan, Hubertus Kestler. Er sagt, er sei mit einer "Generalvollmacht" des Millionärs ausgestattet und ficht den Erbvertrag an, den Schubert mit seiner 2009 gestorbenen Ehefrau geschlossen hatte. Seine Hinterlassenschaft soll jetzt nicht mehr an die Stiftung fließen, sondern an die neue Frau. Außerdem versucht der Anwalt, die Macht in der Stiftung zu übernehmen, wo 2,5 Millionen Euro liegen. Er sagt, er erfülle damit nur den Willen des alten Mannes.

Eine Serie von Prozessen beginnt, bis heute tobt eine erbitterte Schlacht um das Erbe. Wobei offen ist, wie viel Geld überhaupt noch da ist. Unklar ist etwa, wo das Geld für Schuberts Anwesen bei Berchtesgaden geblieben ist, das er angeblich für einen zweistelligen Millionenbetrag verkauft hat.

Vieles um den Bierbaron ist ein Rätsel. Nur der Grund allen Ärgers steht für ehemalige Vertraute von Schubert fest: Sie unterstellen der jungen Witwe und dem nicht mehr ganz so jungen Anwalt "massive finanzielle Interessen". Beide bestreiten die Vorwürfe.

Doch in Frankfurt, hört man von der Gegenseite, soll die junge Meharit schon wenige Tage nach dem Tod ihres Mannes in einer Disco beim Tanz gesehen worden sein.

Das generöse Wirken des Mäzens ist inzwischen überschattet vom Drama um sein Ende. Auf der Beerdigung fand die Pfarrerin im vergangenen Oktober treffende Worte. Sie sprach von der "späten Tragik seines Leben".

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Quelle:
SZ vom 08.09.2011/jobr
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