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Polo-Turnier in Egham:Daher weht der Wind

Elizabeth beim Royal Windsor Cup Final im Guards Polo Club in Windsor Great Park

Ach du liebes bisschen: US-Schauspielerin Gillian Anderson erschrickt über Yoshiki Hayashis Schal am Hals der britischen Königin.

(Foto: RoyalGB)

Auf dem "Royal Windsor Cup" umwehte plötzlich ein schwarzer Schal die Königin. Geradezu schreckerstarrt schien davon jedoch nicht die Queen - sondern eine andere anwesende Person.

In der Öffentlichkeit gilt es, die Fassung zu wahren, wer wüsste das besser als die Königin von England. Was musste sie nicht alles schon ertragen! Rätselhafte Geschenke deutscher Staatsoberhäupter, rüpelhaft agierende US-Präsidenten, aufmüpfige Angeheiratete sowie einen sturen, mittlerweile glücklicherweise führerscheinlosen Ehemann. Doch Elizabeth II. behielt stets die Contenance. So wie jetzt wieder, als ihr beim "Royal Windsor Cup" auf der Zuschauertribüne ein schwarzer Schal über die pinke Schulter wehte. Der Schal gehört dem japanischen Bürgerlichen Yoshiki Hayashi, 53 Jahre alt und so eine Art Mischung aus Bill Kaulitz, Lang Lang und Melania Trump. Auf Instagram hat sich Yoshiki natürlich umgehend bei der Königin entschuldigt.

Doch genauso interessant wie der Schal, dessen Übergriffigkeit durch eine dänische Knipser-Kooperative ("seit 30 Jahren Europas führende Royals-Agentur") festgehalten wurde, ist der Gesichtsausdruck der ebenfalls anwesenden US-Darstellerin Gillian Anderson. In der beliebten Fernsehserie "Akte X" zweifelte Anderson als FBI-Agentin Dana Scully noch an vielerlei Übersinnlichem. Diesmal allerdings, beim Polo-Turnier in Egham, muss sie es am eigenen Leib erfahren haben. Nur so lässt sich ihr salzsäulenhaftes Erschaudern, ihr erstaunter Blick deuten, der sich irgendwo zwischen Edvard Munch und den Fans von Billie Eilish bewegt. Ein Schal, der laokoonhaft die englische Königin umschlingelt? So etwas darf nicht sein.

Nur: Ist das denn so schlimm? Schon der Soziologe Norbert Elias hat in seinen Schriften die selbstdefinierten "Sitten" des Adels als simples Machtmittel, als profane Überlebensstrategie entlarvt. Auch der französische Philosoph Pierre Bourdieu sah darin nichts anderes als den steten Versuch der Oberschicht, sich vom gewöhnlichen Volk abzugrenzen. Ein wehender Schal aber, das weiß jeder, der im Fußballstadion schon mal die Fan-Krause seines Sitznachbarn im Gesicht hatte, ist ein Symbol der Freiheit, der Gemeinschaft - auch der Aufmüpfigkeit. Man darf ihn vielleicht mal wehen lassen, wenn man über Zauberkräfte verfügt (wie Harry Potter) oder über das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (wie Ex-Berlinale-Chef Dieter Kosslick). Andere damit jedoch derart zu peinigen wie Hans Clarin mit dem "indischen Tuch" im gleichnamigen Edgar-Wallace-Schockerchen, das gehört sich nicht. Wirklich nicht.

Bestimmt hat sich Anderson in diesem Moment einfach nur Sorgen gemacht. Um den sicheren Schritt der absolut großartigen 93 Jahre alten Dame. Und wie heißt es im Song "Hero" des japanischen Schalträgers Yoshiki Hayashi? "I hurt myself to see/if you care". Anderson, davon ist auszugehen, wäre der Königin bei einer fortdauernden Sichtbehinderung sofort zu Hilfe geeilt. Ebenso, wie der ukrainische Präsident unserer Kanzlerin neulich bei ihrem Wassermangel. Denn, auch das lernt man aus so einem Vorfall: Es geht nicht nur darum, woher der Wind weht. Auch die Segel muss man richtig setzen.

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