Britische Royals:Nur nicht schwarzsehen

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Eigentlich eine Frechheit: Seit 1820 hat König George III. seine Rundfunkgebühren im Palast Kew Palace nicht bezahlt. (Foto: Mike Kipling/LOOP IMAGES/imago/Loop Images)

Der Kew Palace in den Londoner Royal Botanic Gardens ist seit 1818 unbewohnt. Das hinderte eine Behörde nicht, eine Zahlungsaufforderung zu verschicken. Es geht um die Rundfunkgebühren des verstorbenen King George III.

Von Alexander Menden, London

Kew Palace, der kleinste der königlichen Paläste, ist derzeit pandemiebedingt geschlossen. Doch Post wird dort natürlich weiterhin entgegengenommen. Ende der vergangenen Woche fand sich ein offizielles Schreiben im Briefkasten des mitten in den Botanischen Gärten von Kew gelegenen Backstein-Palästchens. Rachel Mackay von der Pressestelle der "Historic Royal Palaces" postete bei Twitter ein Bild des Briefes, der an "Den derzeitigen Bewohner, Kew Palace, Royal Botanic Gardens" adressiert ist. Absender ist "TV Licensing", die Organisation, die im Vereinigten Königreich dafür zuständig ist, die Rundfunkgebühren einzutreiben. Mackay schrieb dazu: "Wunderbar, es ist wieder die Jahreszeit, in der ich der TV-Lizenzbehörde erklären muss, warum König George III. seine TV-Gebühren seit 1820 nicht mehr bezahlt hat."

Tatsächlich diente der vierstöckige Backsteinbau König George III. (1738-1820) als Sommerresidenz. Der Monarch hatte ihn 1781 als Sommerresidenz für sich, seine Frau Charlotte sowie seine stetig wachsende Familie erworben. Er sollte zum Schauplatz einiger der glücklichsten und vieler der tragischsten Jahre in der Geschichte der Hannoveraner-Dynastie werden. Hier spielte sich das eher gutbürgerlich wirkende Leben des königlichen Paars mit seinen 13 Kindern ab.

König Georg III., nach einem Gemälde von A. Zoffany. (Foto: Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo)

Hier wurde der porphyriekranke König George, von Wahnanfällen heimgesucht, vor der Öffentlichkeit versteckt und von ahnungslosen Ärzten gequält. Es wurde so schlimm, dass der König sich irgendwann weigerte, die Ärzte in sein Zimmer zu lassen. Diese verfielen auf die List, sich als Kunstfreunde auszugeben: "Majestät besitzen doch dieses wunderbare Van-Dyck-Gemälde", riefen sie durchs Fenster. "Wir würden es zu gerne einmal betrachten." Der König glaubte ihnen, öffnete die Tür und wurde prompt in eine Zwangsjacke gesteckt. Am 17. November 1818 erlag Königin Charlotte in Kew Palace ihrem Krebsleiden, ohne ihren mittlerweile in Windsor dahinvegetierenden Mann noch einmal gesehen zu haben. Von da an hatte Kew Palace als Residenz ausgedient. Heute ist er ein Museum.

Das focht die Gebührenbehörde aber nicht an - sie mahnte, es bestehe "dringender Handlungsbedarf", die TV-Lizenz zu bezahlen, wenn man in Kew Palace weiter legal Radio hören und fernsehen wolle. Die Vereinigung "Historic Royal Palaces" (HRP), die für die Erhaltung der heute nicht mehr von der britischen Königsfamilie bewohnten Paläste zuständig ist, musste dann allerdings nicht mehr zurückschreiben. Laut Laura Hutchinson, Leiterin der HRP-Pressestelle reagierte "TV Licensing" umgehend auf den Tweet, um zu erklären, dass solche automatisierten Schreiben routinemäßig auch an unbewohnte Adressen versendet würden. "Sie haben uns versichert, dass keine weiteren Zahlungsaufforderungen mehr an König George geschickt werden", so Hutchinson auf Anfrage der SZ.

Die regierende Monarchin Elisabeth II., 94, muss sich übrigens keine Sorgen machen, je ein Mahnschreiben im Postkasten des Buckingham Palace zu finden - für alle, die älter als 74 Jahre sind, ist in Großbritannien der TV- und Radioempfang gratis.

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