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Prozesse - Kiel:Prozess um Totschlag: 34-Jährige gesteht Messerangriff

Deutschland
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David Ebener/Archiv (Foto: dpa)

Kiel (dpa/lno) - Eine 34-jährige Frau hat vor dem Kieler Landgericht gestanden, ihren gewalttätigen Partner erstochen zu haben. Nach stundenlangen massiven körperlichen Angriffen des Mannes habe sie in Angst und Panik zwei Mal mit einem Küchenmesser zugestochen, sagte die wegen Totschlags angeklagte Mutter zweier Kinder am Mittwoch. Sie habe "nur noch Blitze gesehen, wusste nicht, wo oben und unten ist". Das Opfer verblutete am 14. Dezember 2018 im Keller des Hauses der Angeklagten im Kreis Segeberg.

Zuvor kam es nach den Schilderungen der Frau zu Schlägen, Tritten, ins Gesicht, den Rücken und Schleifen an den Haaren. Er habe sie durch das ganze Haus verfolgt, erzählte die Angeklagte. In einer kurzen Pause habe sie vom Telefon in der Küche die Polizei rufen wollen. Doch er griff sie demnach auch dort wieder an. Sie habe ein Messer zu fassen bekommen. Er sei zurückgewichen und sie sei zu ihren verängstigten Kindern in den Keller zurück, um mit ihnen zu fliehen. Doch am Fuße der Treppe habe er sie plötzlich wieder von hinten attackiert. Da habe sie zugestochen.

Genaue Einzelheiten der Tat erinnert die Frau vor Gericht nicht. Sie schildert aber, dass zuvor weder ihre Kinder noch ein Mitbewohner den Mann hätten stoppen können. Die Angeklagte muss sich wegen Totschlags verantworten. Sie habe einen Menschen getötet, ohne Mörder zu sein, sagte die Staatsanwältin.

Im Gerichtssaal sitzen der Angeklagten zwei Geschwister des Toten und dessen Mutter als Nebenkläger gegenüber. Nach Angaben der Mutter war das Opfer bereits als Jugendlicher aggressiv und gewalttätig, auch ihr gegenüber. Kurz vor seinem 18. Geburtstag sei er deswegen auf gerichtliche Weisung des Elternhauses verwiesen worden. Auch ein Polizeibeamter schildert das spätere Opfer als gewalttätig und alkoholabhängig. Er sei seinetwegen immer wieder zu Einsätzen gerufen worden, sagt er.

Auch der Mitbewohner der Angeklagten beschreibt das Opfer als schwer gewalttätig gegen die Frau. Der Mann sei machomäßig drauf gewesen, extrem eifersüchtig und kontrollierend. An diesem Tag sei er außer sich gewesen: "So habe ich ihn noch nie gesehen, wie ein anderer Mensch", sagt er. Die Frau darf aufgrund einer Haftentscheidung des Amtsgerichts bei ihren Kindern leben. Sie hat einen Betreuer des Jugendamts an ihrer Seite, lebt seit der Tat abstinent und macht Therapien.

Der Prozess wird am 30. Januar fortgesetzt. Das Urteil könnte Mitte Februar verkündet werden.